betrieb & gewerkschaft

DIE LINKE kann einen Unterschied machen

Olaf Klenke und Fanny Zeise

Erfahrungen der Solidaritätsarbeit im Tarifkonflikt im Einzelhandel

Es gehört Mut dazu, zusammen mit einigen Dutzend streikenden Kolleginnen und Kollegen nach der Streikkundgebung, ein nahegelegenes Einkaufzentrum zu betreten, um in voller Streikkluft die Forderungen zu rufen und Flugblätter zu verteilen.

Diese Szene, wie im Juli in Berlin, gibt es vielerorts in Deutschland. Zehntausende Verkäuferinnen und Verkäufer sind bundesweit in den letzten Monaten in den Streik getreten. Manche mit den Erfahrungen aus vergangenen Auseinandersetzungen, viele zum ersten Mal. Es geht um viel. Die Arbeitgeber haben die Manteltarifverträge gekündigt und blasen damit zum Generalangriff auf Arbeitsbedingungen und Löhne.

Allerdings ist die Ausgangslage im Einzelhandel für die Gewerkschaft kompliziert. Von den drei Millionen Beschäftigten, meist Frauen, ist nur ein kleiner Teil gewerkschaftlich organisiert. Die Agenda-Politik von Rot-Grün bis Schwarz-Gelb hat es den Arbeitgebern ermöglicht prekäre Jobs zu schaffen. Minijobs, befristete Beschäftigung, zunehmende Leiharbeit, Werkverträge und die oftmals kleine Filialstruktur machen es den Arbeitgebern leicht, die Beschäftigten unter Druck zu setzen. Oftmals werden Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter eingesetzt, um Streiks zu brechen. Aber auf politische Veränderung zu warten wäre fatal.

Die aktuelle Tarifauseinandersetzung zeigt: Auch Beschäftigte in prekären Arbeitsbereichen können sich wehren. Seit Jahresbeginn sind im Einzelhandel Zehntausende der Gewerkschaft beigetreten. Der Konflikt birgt auch Chancen für eine gewerkschaftliche Erneuerung. Aber nicht überall in ver.di sind Kraft und Überzeugung da, neue Wege zu gehen und auf das Selbstorganisierungspotential der Beschäftigten zu vertrauen. Durch praktische Solidaritätsarbeit kann DIE LINKE vor Ort wichtige Unterstützung geben und die Belegschaften ermutigen, sich zu wehren.

In den zurückliegenden Wochen und Monaten sind bei vielen Aktionen Mitglieder der LINKEN aktiv dabei. In Frankfurt am Main und vielen anderen Städten und Kreisen gingen sie mit vor die Geschäfte, um die Kundinnen und Kunden über den Streik zu informieren und gemeinsam mit den Beschäftigen zu protestieren. In Berlin sammelt die LAG Betrieb & Gewerkschaft Streikunterstützer, die dann kurzfristig zu zentralen Aktionen eingeladen werden. Neben Mitgliedern der LINKEN und dem SDS versuchen wir auch Leute aus dem breiteren antikapitalistischen Spektrum wie z.B. Blockupy anzusprechen. Vor allem ist der Anspruch, die Solidaritätsarbeit in die Bezirke zu tragen. Es ist wichtig Betriebsräte und Beschäftigten kennenzulernen und mit ihnen zu besprechen wo und wie Unterstützung wichtig ist. So sind in einigen Bezirken Patenschaften mit Streikbetrieben entstanden. Gemeinsam wurde ein Straßentheater entwickelt, das in der Einkaufsstraße vor H&M für Aufmerksamkeit sorgte. Die praktische Solidaritätsarbeit gibt Mut und wird anerkannt. In Bielefeld trat eine Betriebsrätin eines großen Handelsunternehmens wegen unserer Solidaritätsarbeit in DIE LINKE ein.

Es geht für die Beschäftigten um viel in dieser Tarifrunde. Aber diese Auseinandersetzung ist auch ein Kampf um die Kernthemen der LINKEN. Es geht um gute Arbeit, Mindestlohn und gute Tarifverträge. Wir können mit praktischer Solidaritätsarbeit den Gebrauchswert der Linken unter Beweis stellen und in dieser Auseinandersetzung viel lernen. Wie sich die Beschäftigten trotz widrigster Bedingungen organisieren, mit welchem Selbstbewusstsein sie auftreten ist eine sehr inspirierende, lebendige Erfahrung. Der Ausgang des Konflikts ist offen, die Lage nicht einfach – unser Handeln gefragt!

Material: Das Informations- und Aktionspaket der LINKEN kann unter tim.herudek@die-linke.de bestellt werden. Die Solidaritätspostkarte der Bundestagsfraktion DIE LINKE unter www.linksfraktion.de/einzelhandel.

Olaf Klenke und Fanny Zeise, Landes-Arbeitsgemeinschaft Betrieb & Gewerkschaft Berlin