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Für eine Mindestausbildungsvergütung

Isabel Artus

Diskussion, Forderungen, Perspektiven

Der Auftakt der Gewerkschaftspolitischen Konferenz am 24. und 25 Mai in Hamburg war eine Podiumsdiskussion junger Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen aus Deutschland, am nächsten Tag mit Kollegen aus Spanien und Griechenland.

Mit den verschiedenen Eindrücken und Berichten ging es in die vier Foren. Wie setzen wir unbefristete Übernahme, Mindestausbildungsvergütungen usw. durch? Mit Forderungen an Gewerkschaften und Politik, beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im dritten Forum. Hier ging es um klare Forderungen und den Weg zur Durchsetzung. Besonders strittig war das Thema Mindestausbildungsvergütung.

Eins war von Anfang an klar: Wir wollen eine Mindestausbildungsvergütung. Das lückenhafte Gesetz zur Ausbildungsvergütung, §17 im Berufsbildungsgesetz gibt es seit 1969. Warum wird erst jetzt über dieses Thema diskutiert? Weil sich eine kleine Gewerkschaft mit einer großen Jugend dafür stark macht und das Thema in die Öffentlichkeit drückt, die jungeNGG. Ganz selbstverständlich wird die Forderung mitgetragen. Auch die DGB-Jugend ist dafür. Noch dieses Jahr wird sie auf ihrer Bundesjugendkonferenz darüber diskutieren.

Maßstab für die Vergütung der Ausbildung

Alle, auch uns auf der Konferenz plagt eine Frage: Wie viel fordern wir für Auszubildende? Was ist überhaupt der Maßstab für die Vergütung der Ausbildung?

Bisher wurde sie an Tarifverträgen gemessen, die zwischen 128 Euro bis 1004 Euro ausweisen. Tarifverträge hängen von Gewerkschaften und organisierten Beschäftigten ab. Ausbildung ist in Deutschland ab 15 Jahren erlaubt. Sollte sich die Vergütung der jüngsten Beschäftigten nach der Stärke der gesamten Branche oder eines Betriebes richten? Zum Schutz gibt es extra das Berufsbildungsgesetz, doch das reicht nicht mehr aus. Wir brauchen mehr, wenn wir schützen wollen.

Ist die Vergütung abhängig von dem Berufsbild, das erlernt wird? Ist das eine Lernen anstrengender und wertvoller als das andere Lernen? Der Aufwand einer Ausbildung wird in Zeit gemessen, nicht in Geld. Deswegen ist die duale Berufsausbildung zwei bis drei einhalb Jahre lang.

Soll die Vergütung existenzsichernd sein? Dann müsste sie pro Stunde bei mindestens 10 Euro liegen. Das tut bisher keine Ausbildungsvergütung und würde das ganze System der Ausbildung ändern.

Gehen wir auf den Vorschlag der jungenNGG ein, den Durchschnitt aller derzeitigen Ausbildungsvergütungen zu nehmen? Dies brächte ungefähr 570 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Die DGB-Jugend Nord hat sich auf ungefähr 630 Euro im ersten Ausbildungsjahr geeinigt, mit der gleichen Begründung, nur einer anderen Berechnung. Die gewerkschaftlich erkämpften Errungenschaften in der Ausbildung werden genommen und, um den derzeitigen lückenhaften Schutz zu gewähren, der Durchschnitt genommen, unabhängig von Berufsbild und eigener Stärke der Gewerkschaft.

Die Abgeordneten der LINKEN im Bundestag haben eine weitere Variante. Sie wollen auf die Forderung des DGB warten. Einige Konferenzteilnehmende nickten wohlwollend, andere waren fassungslos. Bisher konnte sich übrigens nur ein Bezirk der DGB-Jugend überhaupt auf eine Zahl einigen. Haben wir etwa beim Mindestlohn auch auf den DGB gewartet? Nein! Warum also jetzt für die Ausbildungsvergütung? Weil wir nicht betroffen sind und nicht wissen wie?

Die Experten und Expertinnen in diesem Thema sind jung, prekär und befristet. Diejenigen, mit denen wir auf der Konferenz und bei der Arbeit davor den Austausch gesucht haben. Können wir auf die Jugend hören und ihre Forderung übernehmen, ausweiten und uns dafür einsetzen?

Isabel Artus, Vorsitzende DGB-Jugend Hamburg