betrieb & gewerkschaft

Gute Ausbildung für alle und für eine stärkere Mitbestimmung

Martina Hartung

Forum 3 der Gewerkschaftspolitischen Konferenz in Hamburg

Die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen in Deutschland ist verglichen mit anderen Ländern in Europa niedrig. Die Zahlen aber täuschen darüber hinweg, wie schwer es in Deutschland ist einen guten Ausbildungsplatz zu bekommen, der Perspektive hat. Im Forum 3 der Gewerkschaftspolitischen Konferenz 2013 warfen geladene Gäste und Teilnehmer/innen einen Blick hinter die Kulissen und diskutierten Forderungen rund um Themen der Ausbildung.

Im Jahr 2012 hingen 267.000 junge Menschen in Warteschleifen für eine Ausbildung fest, betonte Sabine Zimmermann MdB (DIE LINKE). Von einem Recht auf Ausbildung kann hier wohl kaum die Rede sein. "Wir wollen die Wahl und die muss gut sein", forderte Isabel Artus. Ausbildung muss vertraglich geregelt sein, qualifizieren und vor allem Perspektiven bieten, so die einhellige Meinung im Forum. Damit stand die Forderung nach einer unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung schnell auf der Agenda. Um diese Forderung durchzusetzen, braucht es mehr und stärkere Regelungen in Tarifverträgen, die Abschaffung sachgrundloser Befristungen und eine längst überfällige Reform des Betriebsverfassungsgesetzes, um die Mitbestimmungsrechte auf alle Beschäftigten, auch Auszubildende, auszuweiten.

Mehr Mitbestimmung im Betrieb braucht es ebenfalls in Bezug auf die Qualität der Ausbildung. Diskutiert wurde nebendem eine stärkere Überwachung durch die Behörden und eine gesetzliche Regelung zu der Frage, welche Betriebe überhaupt ausbilden dürfen. Deutlich wurde: Mit der Arbeit der Kammern und auch mit der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) kommen wir an Grenzen, wenn es um die Sicherung von Qualität in der Ausbildung geht.

Lange wurde im Forum über die Frage von Ausbildungsvergütung diskutiert. Braucht es eine Mindestausbildungsvergütung? Wenn ja, wie kann diese ausgestaltet sein? Fest steht: Auch in der Ausbildung und im Studium müssen junge Menschen sozial abgesichert sein. Während die DGB Jugend von einer existenzsichernden Mindestausbildungsvergütung spricht, entwickelte sich im Forum die Forderung nach mehr Mut zu konkreten Zahlen. Denkbar wäre es, sich am Durchschnitt der tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen zu orientieren. Im Kontext von Vergütung und Finanzierung der Ausbildung bestand im Forum Einigkeit, dass Unternehmen mehr Verantwortung für Ausbildung übernehmen müssen. Das rief die Forderung nach einer Umlagefinanzierung schnell auf den Plan. Diskutiert wurde dabei über Branchenfonds, als einer Möglichkeit.

Alles in allem diskutierte das Forum aus verschiedensten Perspektiven und entwickelte eine Vielzahl von Forderungen zu einem Recht auf Ausbildung, unbefristeter Übernahme, Qualität der Ausbildung, Mindestausbildungsvergütung, Ausbildungsumlage und zur Durchlässigkeit zwischen Ausbildung und Studium - Mehr gute Ausbildung! Mehr Übernahme! Mehr Mitbestimmung im Betrieb und in den Bildungswerken der außerbetrieblichen Ausbildung!

Martina Hartung, ehem. Präsidentin UNI Europa Youth