Disput

Auf Arbeitsebene

Das kleine Blablabla

Von Daniel Bartsch

Frühstück vorbei, ich will den Tisch abräumen und höre im Radio: »… ist ein weiteres Treffen auf der Arbeitsebene vereinbart.« Mist, da wollte ich doch eben das Geschirr drauf abstellen. Kleiner Scherz am Rande. Die Arbeitsebene also - ich sag mal, das ist sprachbildlich sehr rutschiges Parkett.

Die Bedeutung kann man kurz zusammenfassen: Arbeitsebene ist, wo keiner hinguckt. Händeschütteln vorbei, Polit-Promis weg, Kameras aus … nur aschgraue Gesichter im Blaumann feudeln noch mal durch, hinter dem Vorhang. Die Bienenkönigin macht einen guten Eindruck, die Arbeit machen die anderen. Damit es nicht so auffällt, gibt die Königin bekannt, dass auf der Arbeitsebene fleißig weiter gesummt wird.

»Heer der Sklaven, wache auf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger!«, möchte man rufen. Und: Ohne eure Arbeit auf der Ebene könnte an der Spitze der Pyramide kein Stern leuchten. Schon deshalb ist Arbeitsebene ein Wort derer »da oben«, das eigenes Anpacken suggeriert, wo andere werkeln. Weitaus seltener gebraucht wird hingegen die Wortschwester: die Führungsebene, siamesisch verbunden zwar, aber ungeliebt. Zu Recht, weil da schon der antagonistische Klassenwiderspruch durchschimmert, dieses Befehl-und-Gehorsam-Ding. Aber ohne Führungsebene keine Arbeitsebene - wenn wir uns das eine klemmen, lassen wir das andere doch besser auch.

Weil mir mehr nicht einfällt, ende ich mit einem kleinen philosophischen Exkurs und verabschiede mich bis zum Januar: Wenn wir uns, wie Albert Camus es uns antrug, Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen müssen, der einen Stein den Berg hinaufrollt, von wo dieser selbsttätig den Rückweg antritt, worauf hin Sisyphos … naja, ist ja bekannt. Also um wieviel glücklicher müssen wir ihn uns vorstellen, wenn er auf der Arbeitsebene agiert hätte?