Disput

Da sind wir aber immer noch

Vor fast 20 Jahren gegründet - der linksnahe Unternehmerverband OWUS: »Aus wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung«

Von Rolf Sukowski

Fast 100 Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler sind Mitglied im »Offenen Wirtschaftsverband der kleinen und mittelständischen Unternehmen, Freiberufler und Selbstständigen in Berlin und Brandenburg e.V.« (OWUS). Mittlerweile gibt es Landesverbände in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie einzelne Mitglieder in Hessen und Niedersachsen.

Unsere Unternehmen wirken in den unterschiedlichsten Branchen, so im Bauwesen, in Bildung, IT-Dienstleistungen, Steuer- und Unternehmensberatung, Gartenbau, Handel und Handwerk, Touristik, Printmedien, Optik und Werbung.

Die meisten Gründungsmitglieder, unter ihnen die erste Vorsitzende des Verbandes, Frau Prof. Christa Luft, und der Finanzminister in der Landesregierung Brandenburg, Helmuth Markov, wurden erst in der Nachwendezeit Unternehmer. Was sie einte, waren vor allem der Wille zur Selbsthilfe und die Einsicht, nun mit Marx statt auf Planwirtschaft auf den Markt setzen zu müssen.

Mit OWUS haben sich linke Unternehmer eine Lobby geschaffen, sie mischen sich in die Diskussion und Durchsetzung von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entscheidungen ein und vertreten dabei linke Positionen.

Unser Unternehmerverband tritt solidarisch für die Entwicklung und Förderung der kleinen und mittelständischen Unternehmen ein. Wir treten für stabile Arbeits- und Ausbildungsplätze ein, indem unsere Unternehmen insbesondere in ihrer jeweiligen Region wirken.

Fast 1,5 Millionen Kleinst- und Kleinunternehmer gibt es in Deutschland. Immerhin machen sie über 90 Prozent aller Unternehmen aus. Allein in Brandenburg sind es 100.000 Unternehmen. Ihre Arbeit und das Erreichen besserer gesellschaftlicher Bedingungen für ihr Wirken ist unser Anliegen.

Abgesehen von Anfangsschwierigkeiten, die eine solche Gründung mit sich bringt, entwickelte sich die praktische Verbandsarbeit relativ schnell. Gemeinsam Erfahrungen bei der Unternehmensgründung und Unternehmensführung auszutauschen, gegenseitig Hilfe zu leisten und die Dienstleistungen des anderen mit zu nutzen ist uns wichtig. Umfassende Beratung und aktive Hilfe, zum Beispiel beim Beantragen und Inanspruchnehmen von Fördermitteln und beim Aufbau von effektiven Betriebsstrukturen, gehören ebenfalls dazu.

Wir verstehen uns auch als politische Heimstätte unserer Mitglieder und führen Debatten mit Politikerinnen und Politikern der verschiedensten Parteien zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Arbeit der kleinen Unternehmen.

Unternehmerstammtische, Netzwerkarbeit, Unterstützung von Gesetzesinitiativen, Wahlprüfsteine anlässlich der Bundestagswahl an alle im Bundestag vertretenen Parteien, Teilnahme an Anhörungen der Linksfraktion im Bundestag und in den Landtagen, jährliche Unternehmerfahrten, Rundbriefe und Newsletter gehören zum Verbandsleben von OWUS, der ausschließlich ehrenamtlich arbeitet.

Die immer lauter werdende Kritik in der Gesellschaft am bestehenden kapitalistischen Wirtschaftssystem hat in den letzten Jahren neue Schwerpunkte in den Mittelpunkt der Arbeit von OWUS gerückt.

So setzt OWUS auf alternative Wirtschaftsformen und -modelle. Wir unterstützen seit 2011 die Bewegung der Gemeinwohlökonomie mit konkreten Maßnahmen und wollen in den kommenden Jahren eine größere gesellschaftliche Breite für dieses Wirtschaftsmodell erreichen. Es geht dabei um die Frage, ob die Gemeinwohlökonomie eine zukunftsweisende Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit sein kann.

Dazu wollen wir am 11. Oktober 2014 eine gemeinsame Tagung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin durchführen, zu der auch der Begründer der Gemeinwohlökonomie, Christian Felber aus Österreich, seine Teilnahme zugesagt hat.

Am 7. Februar werden wir im Rahmen des Linken Wirtschaftsforums Marzahn-Hellersdorf, das getragen wird von Petra Pau, dem Bezirksverband der LINKEN sowie OWUS, das traditionelle Unternehmerfrühstück zum Thema »Gemeinwohlökonomie« durchführen.

Die Verbesserung der sozialen Absicherung insbesondere der Kleinunternehmer und Solo-Selbstständigen erfordert neue Initiativen, um dringend gebotene Gesetzesschritte für den Bundestag voranzutreiben. Fast 130.000 Selbstständige und Kleinstunternehmer in Deutschland beziehen ergänzende Hartz-IV-Leistungen, über 200.000 sind nicht krankenversichert. Die Altersvorsorge ist teilweise katastrophal. Erste Erfolge hat OWUS durch die Erklärung der Linksfraktion im Bundestag von Hannover 2013 zu diesem Thema erreicht. Es ist aber nach wie vor notwendig, den Druck auf die Politik zu erhöhen und auch andere Parteien sowie Unternehmerverbände für unsere Initiativen zu gewinnen.

Das 20-jährige Jubiläum bestärkt unsere OWUS-Mitglieder darin, in den Anstrengungen für mehr soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft nicht nachzulassen. Neue Mitstreiter und Förderer unseres Anliegens sind uns deshalb immer willkommen.

Dr. Rolf Sukowski ist Vorsitzender des Dachverbandes von OWUS.