Disput

Gut aufgestellt

Das kleine Blabla

DISPUT stellt sich allmonatlich den Sprechblasenfragen unserer Zeit. Dafür die kleine Sprachglosse.

Ich sitze beim Frühstück; Teller, Tasse und Besteck sind im vernünftigen Verhältnis angeordnet, im Radio die Nachrichten. Ich höre: »… sagte, die Regierung ist für die anstehenden Aufgaben gut aufgestellt …«

Ach, denke ich, hat der nette Herr Gabriel schon wieder gekündigt - weil »breit aufgestellt« nicht erwähnt wurde. Quatsch, das denke ich natürlich nicht.

In meiner Fantasie sehe ich jedoch die Kanzlerin Verpackungen aufreißen, Zellophan mit den Fingernägeln abknibbeln und nach und nach ihre Pappkameraden und -kameradinnen nach Ressort aufstellen. Die Kabinettssitzung sieht dann aus wie eine Filmpremierenwerbung, seinen Lieblingsministerdarsteller kann man mitnehmen und sich lebensgroß neben die Toilette stellen.

Gut aufgestellt meint, da ist eine Ansammlung von Menschen (Mannschaft, Regierung, Verein oder auch Regierungsmannschaft oder Vereinsmannschaft) zu einem bestimmten Zweck versammelt. Und alle haben alle Fähigkeiten, die notwendig sind, den bestimmten Zweck zu erfüllen. Tolle Leute, die tolle Dinge machen - könnte man auch sagen, zumal viele »gut Aufgestellte« ihre Tätigkeiten eher sitzend verrichten und angestellt sind.

Von hier aus ist es dann auch nicht mehr weit bis zu der kalauernden Anmerkung, dass manche der »gut Aufgestellten« viel (Lebens-) Erfahrung vorweisen, somit »gut abgehangen« sind. Ist man des Weiteren nicht nur gut, sondern auch zahlenmäßig dufte dabei, ist man »breit aufgestellt«. So kann man mit 11 Leuten im Fußball (siehe Vereinsmannschaft) prima Räume zustellen, mit 111 Mann ein Zirkuszelt schnell aufstellen oder mit 1.111 Mann viele Möbel rasch umstellen … Aber das führt zu weit.

Vielleicht sollte ich mich einfach nur nicht so anstellen - und wenn, dann nicht hinten.

Daniel Bartsch