Disput

Die gerechte Traumreise

Geht doch: Ferien auf die ökologische Tour

Gastbeitrag von Roland Streicher, ReNatour

Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hat es in ihrer alljährlichen Reiseanalyse bestätigt: 46 Prozent der Bundesbürger legen Wert darauf, dass auch im Urlaub faire Arbeitsbedingungen für das Personal herrschen und 40 Prozent wünschen sich einen umweltverträglichen Urlaub. Ein »Nachhaltiger Tourismus« wird also nachgefragt, auch wenn der Begriff alles andere als aufregend klingt und per se nicht als Buchungsgrund für eine Urlaubsreise dient. Emotionen, Urlaubsträume sind es aber, die zur Buchung animieren. Dass Rücksicht auf Umwelt und soziale Belange und gleichzeitig Spaß und lang anhaltende Reiserlebnisse nicht im Widerspruch stehen, beweisen zahlreiche kleine Spezialreiseveranstalter. Viele von ihnen habe sich im »forum anders reisen«, dem Verband für Nachhaltigen Tourismus, zusammengeschlossen.

Öko drauf, auch Öko drin? Als Nachweis für nachhaltiges Reisen hat das unabhängige europäische Fachgremium »TourCert« ein CSR-Siegel entwickelt, das die Qualität von Veranstalter und Angebot bescheinigt. CSR steht für Corporate Social Responsibilty und damit für gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften. Die Mitgliedsunternehmen des »forum anders reisen« haben sich zur regelmäßigen Überprüfung ihres Tuns durch dieses externe Gremium verpflichtet. Von der Anreise über regionale Wertschöpfung bis zum Papierverbrauch im Büro werden alle Bereiche anhand von sozialen und ökologischen Kriterien unter die Lupe genommen.

Wie beim Thema Nachhaltigkeit generell, geht es auch beim Reisen darum, so zu handeln, dass Ressourcen schonend verbraucht werden und wir nicht auf Kosten nachfolgender Generationen Urlaub machen. Der mit Abstand größte Problembereich ist die Anreise ins Urlaubsgebiet. Hier werden bis zu 90 Prozent der CO2-Emissionen einer Urlaubsreise verursacht. CO2-Bilanzen für jede einzelne Reise machen wenig Sinn, da es wegen der starken Auswirkung der Transportmittel eigentlich ganz einfach ist: Je weiter weg und je kürzer, desto schlechter ist die Öko-Bilanz. Deswegen macht es Sinn, lieber länger zu verreisen anstatt öfter - auch wenn der allgemeine Trend in die andere Richtung geht.

Viele Fluglinien bieten ihren Kunden an, die durch die Reise verursachten Treibhausgase durch eine freiwillige Abgabe zu kompensieren. Kompensation ist jedoch die zweitbeste Lösung. Es muss nicht immer die Flugreise sein, Urlaub vor der Haustür kann wunderschön sein. Urlaub bedeutet hierzulange zu oft automatisch eine Flugreise. Das ist schade, und die Umweltproblematik beim Flug muss weiter Thema sein. Dazu sind die verschiedenen Kompensationsangebote, wie atmosfair, ein gutes Instrument, weil der Kunde sich dadurch mit dem Thema beschäftigt und sensibilisiert wird.

Ein wesentlicher Punkt ist die Frage, wieviel von dem Geld, das wir als Touristen ins Land bringen, tatsächlich vor Ort hängen bleibt. Sprich: Wie hoch ist die lokale Wertschöpfung? Können die Menschen dort von den Einnahmen leben oder fließt das meiste Geld wieder ins Ausland an Airlines, internationale Hotelketten, Reiseveranstalter etc.? Aber auch regionale Küche, schonende Bauweise der Unterkünfte, naturverträgliche Freizeitangebote - all das gehört dazu.

Ein Paradebeispiel für eine Öko-Reise sind die Planwagenferien in den Vogesen von ReNatour, einer der ersten zertifizierten Reiseveranstalter überhaupt und schon seit 20 Jahren auf dem Markt. Eine Woche Urlaub mit einem PS. Das Pferd zieht den ähnlich wie ein Wohnmobil ausgestatteten Wagen von Bauernhof zu Bauernhof, wo man jeden Abend von den Gastgebern landestypisch mit einheimischen Lebensmitteln verwöhnt wird. Wenn dann auch noch die Anreise nach Frankreich mit der Bahn erfolgt, kann man nicht viel verbessern - kaum Emissionen, und das Geld bleibt weitestgehend bei den Menschen vor Ort. Doch dies ist sicher nicht die Urlaubsform, die jeden anspricht. Natürlich gibt es komfortablere und weniger ungewöhnliche nachhaltige Reiseangebote. Von schicken Bio-Hotels über Rad- und Wanderangebote bis hin zu Studien- oder Projektreisen in alle erdenklichen Länder.

Immer mehr Menschen machen sich über die Auswirkungen des Urlaubs auf die soziale und ökologische Umwelt Gedanken - das ist erfreulich! Oft wird jedoch mit dem Preis argumentiert, wenn es dennoch die klassische Pauschalreise wird. Bei genauerem Hinsehen wird man aber feststellen, umweltverträgliche Reisen müssen nicht zwingend teurer sein.

Meist sind es die Kleinigkeiten, die in Summe viel ausmachen, wenn man seinen Urlaub umweltfreundlich gestalten möchte. Eine kleine Einkaufstasche im Gepäck spart die vielen Plastiktüten beim Einkauf vor Ort. Die Wahl des öffentlichen Busses statt eines Mietwagens, das Rad oder die eigenen Beine - alles preiswerte Alternativen, und man lernt Land und Leute viel besser kennen. Kleine inhabergeführte Unterkünfte haben meist mehr Atmosphäre als große Hotelketten, und die Einheimischen profitieren stärker davon.

Wollen wir etwas verändern, brauchen wir auch die großen Reiseveranstalter. Wenn Thomas Cook oder die TUI in allen Hotels die Einwegverpackungen für Marmeladen verbieten würden, klingt das zwar nach einer Kleinigkeit, würde aber aufgrund der Masse sofort etwas bewegen. So lange können kleine konsequente Veranstalter gar nicht radeln oder wandern, um eine ähnliche Umweltwirkung zu erzielen. Ihre Pionierarbeit ist jedoch nicht zu unterschätzen.

In Deutschland werden verschiedene Förderprogramme für nachhaltigen Tourismus aufgelegt, die angesichts der riesigen Umsätze, die im Tourismus getätigt werden, eher verschwindend sind. Meist geht es dabei ausschließlich um Tourismus innerhalb Deutschlands. In anderen Ländern gibt es ein Tourismusministerium, um dem Thema generell das nötige Gewicht zu verleihen. So können auch Umwelt und Soziales besser in touristische Planungen integriert werden, als wenn es sich nur um Einzelprojekte handelt.

Das Entscheidende für einen Fortschritt ist, dass das Thema Nachhaltigkeit bei Reiseveranstaltern kein temporärer Marketingaspekt ist, sondern auf Unternehmensebene fest integriert wird und so strategisch in allen Überlegungen eine Rolle spielt. Da unterscheidet sich der Tourismus nicht von anderen Branchen.

Bislang schaffen das nur kleinere Reiseveranstalter. Wer also seine umwelt- und sozial gerechte Traumreise sucht, muss sich weiterhin gut informieren. Passende und spannende Angebote gibt es aber ganz sicher.

ReNatour ist ein Nürnberger Veranstalter von alternativen Reisen insbesondere für Familien- und Natururlaub.