Disput

Weltgeschichte in Dietzhausen

Sonderausstellung mit Fotos und Tagebüchern

Im südthüringischen Dietzhausen finden seit 1998 alljährlich am Wochenende des Totensonntags »Historisch-fotografische Streifzüge durch die Dorfgeschichte« statt. Dann kommen Jung und Alt zusammen, betrachten Historie in unmittelbarer Nachbarschaft.

Diese Einblicke in Lokalgeschichte ermöglicht der unermüdliche Ausstellungsinitiator Rudolf Denner. Die Idee dazu kam ihm bei Recherchen für ein Reportagebuch: 400 Familien hatten für das Buch Hunderte Dokumente, vor allem Fotos, zur Verfügung gestellt. Ein Schatz, der nicht in Vergessenheit geraten soll. Denn mit weit mehr als 8.000 Fotos lässt sich das gesellschaftliche Leben in Dietzhausen für das vorige Jahrhundert ziemlich komplett nachvollziehen: Freud und Leid, Höhepunkte und Alltag, Frieden und Krieg.

Aus Anlass des Beginns des Ersten Weltkrieges öffnet am 1. August – am Tag des Kriegsausbruchs – die Dorfkirche »Sankt Johannes« zu einer Sonderausstellung.

Vor hundert Jahren hatte Dietzhausen etwa 890 Einwohner. Viele von ihnen mussten an den Fronten die Grausamkeiten erleben; 22 starben auf Schlachtfeldern oder in Lazaretten; zehn wurden kriegsbeschädigt; 12 kamen in Kriegsgefangenschaft. Insgesamt 172 waren zum Kriegsdienst eingezogen.

Auch Fritz Kleffel. Er war Funker in der Feldfliegerabteilung 4 des 13. Armeekorps an der Ostfront und fotografierte mit einer 9x12cm-Plattenkamera den Soldatenalltag: Unterstände und zerschossene Schützengräben, abgestürzte Flugzeuge und erbeutete Waffen, Weihnachts»feiern« und Beerdigungen. Es war die Sicht eines einfachen Soldaten.

Rudolf Denner hat eine Vielzahl dieser Fotos für die Ausstellung vorbereitet, sie um Texttafeln – Fritz Kleffel führte auch Tagebuch – ergänzt und dankenswerterweise DISPUT zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Mit seinen Mitstreitern, interessierten Bürgern, der Kirchgemeinde, Vereinen und örtlichen Unternehmen schlägt Rudolf Denner, Mitglied der LINKEN, den Bogen zwischen Dorf- und Weltgeschichte. S. R.

Fritz Kleffel, der Fotograf und Tagebuchsschreiber, war nach dem Krieg Elektriker und lebte sehr zurückgezogen in Dietzhausen, wo er 1981 94-jährig verstarb. Eine Kamera hat er nach dem Krieg nicht wieder benutzt.