Disput

Es dröhnen die Drohnen

Feuilleton

Von Jens Jansen

Als der Generalleutnant a.D. im Fernsehen das neue Waffensystem vorstellte, glänzten seine Augen. Die der anderen Experten auch: Jetzt kommt Musik in den Laden! Deutschland, Frankreich und Italien bauen sich eigene Drohnen! Sollen die Amis ihren Schrott alleine verballern. Den dicken »Euro-Hawk«, der nicht mal den Zivilfliegern aus dem Weg geht. Das Ding hätte beinahe unserem damaligen Kriegsminister den Amtsstuhl unter dem Hintern weggeschossen! Ebenso die UAV MQ-5B, die nach einem plumpen Störmanöver der Russen auf der Krim »nahezu intakt« Moskau in die Hände fiel. Da haben unsere Ingenieure Besseres im Schubfach. Kostet zwar pro Stück eine Million, wird aber unbesieglich! - Wenn die Zulieferer nicht pfuschen. Da hilft nur Überwachung bis zum Scheißhaus. Datenschutz muss sein, denn der nächste Krieg wird ein Cyber-Krieg! Der Feind wird mit dem Joystick erschlagen, durch unbemannte Flugobjekte. Spart eine Menge Särge. Natürlich nur beim Absender. Wobei unsere »Wunder-Bienchen« vorerst nur der Aufklärung dienen sollen. Vorerst! Kann man ja schnell mal ein paar Raketen ranschrauben.

Die USA planen eine enorme Aufstockung ihrer Drohnen-Flotte bis 2047. Inzwischen hat die Bundeswehr mit gemieteten Drohnen aus Israel im Kosovokrieg operiert. Der Iran liefert eigene Entwicklungen. Auch die Schweizer Armee trainiert mit Beobachtungs- und Killer-Drohnen. Einige Hochschulen in Dortmund, Paderborn und Siegen basteln für die Katastrophenhilfe des THW. Ist ja alles kompatibel. Die Steuerungsdaten der NATO laufen über die US-Basis Ramstein. 2006 konnten nur zwölf Drohnen gleichzeitig gelenkt werden. 2009 gelang die Koordinierung von 50 solchen Marschflugkörpern. Heute könnte man den Horrorfilm »Die Vögel« von Hitchcock mit diesen Blechvögeln inszenieren. Das lässt aber auch die Leichenberge wachsen. Bis 2011 kamen nach Schätzungen bei 300 Angriffen über 2.400 Personen ums Leben. Natürlich alles »Terroristen« oder Menschen, die zu dicht in ihrer Nähe waren. Das fällt dann unter »Kollateralschäden«. Wobei sich die USA juristisch bescheinigen ließen, dass »Präventivschläge« erlaubt sind und dass der CIA als ziviler Absender nicht nach Kriegsrecht belangt werden kann. Was braucht Obama mehr? In seine Amtszeit fielen bereits über 3.000 Einsätze dieser Waffen. So wurden schon drei, vier Häuptlinge der Taliban abgeschossen.

Das alles gibt nun auch dem Spinnennetz der der US-Geheimdienste bei der Ausspähung aller elektronischen Kontakte auf dieser Welt einen tieferen Sinn: Wenn eine Summe bestimmter Reizwörter wie Anschlag, Amerika, Angst, Ankara, Allah oder Aladin bei einem Telefonat zwischen dem Gemüsehändler Achmed in Abadan und seinem Sohn auf der Uni in Atlanta aufgefangen wurden, dann kann man mit einer Mini-Drohne vom Typ Kolibri mit nur 19 Gramm Gewicht, nachsehen, ob in der Lagerhalle von Achmed nur Melonen oder auch Minen herumliegen. Sodann kann eine Killer-Drohne, die alle Bilder in Jetztzeit an die Zentrale liefert, einen Sprühnebel von Giftstoffen auf Papa Achmed regnen lassen. Und wenn er dann noch zappelt und die Polizei ruft, dann käme eine »Hornisse« mit tödlichen Pfeilen vom Dach des Nachbarhauses angeschwirrt und Washington wäre gerettet!

Wer zu Hause fleißig mit Ballerspielen übt, hat eine steile Karriere als Drohnen-Dompteur vor sich! Wer sich da raushält, könnte aber länger leben. Denn diese Blechbienen stehen nicht unter Naturschutz und könnten schnell eine Beute der russischen oder chinesischen Habichte werden! Deshalb sagt unser Militärpfarrer ja immer: »Gott schütze unser deutsches Vaterland!«