Disput

Kultur verbindet

Akademischer Weg und politisches Gestalten

Von Marika Tändler, neugewähltes Mitglied des Parteivorstandes

Mit meiner Wahl in den Parteivorstand erhielt ich die Möglichkeit, ab jetzt aktiv an der Ausgestaltung des politischen Profils unserer Partei mitzuwirken.

Den überwiegenden Teil meiner Jugend habe ich im ländlichen Raum in Sachsen verbracht, wo wir schon frühzeitig mit der vorherrschenden rechten Hegemonie konfrontiert waren. Dabei war es natürlich nicht immer einfach, sich als Antifaschistin im ländlichen Raum seine Freiräume zu erkämpfen, vor allem aber diese bis heute zu erhalten. Schnell organisierte ich mich in linken außerparlamentarischen Kreisen, von der linken antifaschistischen Jugend bis hin zum theoretischen Gesprächskreis. Ich kam an der einen oder anderen Stelle mit unserer Partei (damals noch PDS) in Kontakt, allerdings hatte ich als Mitglied der linken außerparlamentarischen Bewegung zunächst auch Bedenken.

Um mein Studium der Soziologie aufzunehmen, zog ich 2005 nach Leipzig, wo ich mein theoretisches Wissen vertiefen und mich mit verschiedenen Themengebieten beschäftigen konnte: von der Europapolitik, Arbeitsmarktgerechtigkeit, Systemtheorie bis zur Wirtschaftslehre. Schnell entdeckte ich meine Vorliebe für die empirische Sozialforschung. Das war auch der Zeitraum, in dem ich mich mehr und mehr für die Politik unserer Partei interessierte. Die außerparlamentarische Opposition war wichtig, aber ich empfand das aktive Mitgestalten aus einer Partei heraus in den verschiedenen Institutionen hinein wirksamer. Für mich gab und gibt es dafür nur eine Partei, die die vorherrschenden Verhältnisse klar benennt und verändern will.

Durch ein Stipendium der Rosa Luxemburg Stiftung wurde mir während meines Studiums die finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht, außerdem konnte ich an einer Stipendiatenreise nach Brüssel in das Europäische Parlament teilnehmen. Daraus ergab sich für mich, direkt im Anschluss an mein Studium, die Möglichkeit, als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Lothar Bisky im Ausschuss für Kultur, Bildung, Jugend und Sport tätig zu werden. Besonders spannend war dabei das Verknüpfen meiner praxisorientierten Erfahrungen, zum Beispiel an der Hochschule, mit dem politischen Ausgestaltungsprozess im Europäischen Parlament.

Lothar Bisky war eine prägende Persönlichkeit, nicht nur für die Partei, und ich bin dankbar, ihn kennengelernt zu haben. Durch die vielen Gespräche mit ihm entdeckte ich meinen Drang zum Verknüpfen von akademischer Theorie und politischer Praxis. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, meinen akademischen Weg fortzusetzen und gleichzeitig aktiv politische Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Diese Möglichkeit bieten mir der Parteivorstand und meine kommunalen Aktivitäten in Sachsen. Gerade im ländlichen Raum sind die Bedingungen für die Entwicklung unserer Partei begrenzt. Nicht nur allein aufgrund der christlich-demokratischen Dominanzkultur, welche in allen Lebensbereichen anzutreffen ist, oder den abzusehenden demografischen Veränderungen, sondern auch durch die zunehmende Entpolitisierung der Bevölkerung. Diesem Phänomen möchte ich durch ganzjährige Aktivitäten im (sub)kulturellen Bereich entgegenwirken. Gleichzeitig möchte ich meine Erfahrungen mit linker Politik auf europäischer Ebene einbringen, um für ein sozialeres, gerechteres und friedlicheres Europa zu kämpfen. Ein zentrales Ziel für eine zukunftsorientierte Politik in unserer Partei liegt dabei im Verknüpfen der verschiedenen Ebenen zwischen Europa-, Bundes- und der Landesebene.

Dafür setzte ich mich auch während meiner Tätigkeit im Europäischen Parlament ein. Ich versuchte einen gezielten Austausch zwischen den Ansprechpartnern auf Bundesebene sowohl im kulturpolitischen Bereich als auch in der Agrarpolitik. Die dadurch entstandenen Synergien tragen maßgeblich zu einer Weiterentwicklung der politischen Positionierung unserer Partei bei und ermöglichen es, gleichzeitig die Unterschiede offen auszudiskutieren, ohne dabei die Parteilinie zu verlieren.

Einen wesentlichen Gestaltungsraum bietet zudem die Kultur »als Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnet und die über Kunst und Literatur hinaus auch Lebensformen, Formen des Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen umfasst.« (Europawahlprogramm) Kultur betrachte ich dabei als das bindende Element in Europa und in der ganzen Welt.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass wir als Partei DIE LINKE für eine zukunftsorientierte Politik stehen und den Austausch mit unserer Basis stärken!

Marika Tändler, geboren am 27. März 1984 in Leisnig, Diplom-Soziologin, Mitglied im Kreisvorstand Mittelsachsen