Disput

Spaniens Himmel

Vor 75 Jahren endete der Spanische Bürgerkrieg mit einer Niederlage der Zweiten Republik

Von Ronald Friedmann

Am 28. März 1939 marschierten Einheiten des Putschistengenerals Franco in Madrid ein. Die regierungstreuen Truppen hatten aufopferungsvoll gekämpft und energischen Widerstand geleistet. Doch der Überlegenheit des Gegners an Menschen und Material vermochten sie nichts mehr entgegenzusetzen. Und Franco konnte sich auf seine »Fünfte Kolonne« stützen, die hinter der Front die Verteidigung der spanischen Hauptstadt sabotiert hatte. Nach der Kapitulation von Valencia, das fast zwei Jahre der Belagerung und Beschießung durch die Putschisten getrotzt hatte, verkündete Franco am 1. April 1939 den Sieg im Bürgerkrieg, der fast drei Jahre gedauert hatte.

Im Juli 1936 hatte der Putsch gegen die Volksfrontregierung in Spanisch-Marokko begonnen, innerhalb weniger Tage hatten die ersten Einheiten der Putschisten das spanische Festland erreicht und die ersten großen Städte erobert. Im Herbst standen sie vor den Toren Madrids.

Sehr schnell hatte der Spanische Bürgerkrieg eine internationale Dimension erhalten. Der Völkerbund hatte auf britische Initiative ein sogenanntes Nichteinmischungskomitee gebildet. Das unternahm jedoch nichts, um die aktive militärische Unterstützung der Putschisten durch Deutschland und Italien zu verhindern, die nicht nur Waffen und Ausrüstungen lieferten, sondern mit eigenen Truppen in die Kämpfe eingriffen. Traurige Berühmtheit erlangte die 19.000 Mann starke deutsche »Legion Condor«. Sie zerstörte im April 1937 die baskische Kleinstadt Gernika und ermordete dabei hunderte unbeteiligte Zivilisten. Hitler und seine Militärs sahen Spanien als ideales Übungsgelände an, um die Qualität und Wirksamkeit neu entwickelter Waffen zu testen und neue strategische und taktische Konzepte für den geplanten Weltkrieg zu erproben.

Unterstützung erhielt die legitime spanische Regierung allein durch die Sowjetunion, die Waffen und Ausrüstungen lieferte und Berater entsandte, sowie durch Mexiko, das vor allem politische und diplomatische Hilfe gewährte.

Zur Legende wurden die Internationalen Brigaden, die seit Oktober 1936 in Spanien aufgestellt wurden. Rund 40.000 Freiwillige aus mehr als zwanzig Ländern, unter ihnen etwa 5.000 Deutsche, kämpften für die spanische Republik. Mehr als die Hälfte von ihnen verlor das Leben.

Im Spätherbst 1936 war es die XI. Internationale Brigade mit dem legendären Thälmann-Bataillon, die den Putschisten vor Madrid eine schwere Niederlage bereitete und die Hauptstadt - zunächst - rettete.

Doch spätestens in der ersten Hälfte des Jahres 1938 wurde deutlich, dass die Niederlage der Republik nicht mehr zu verhindern war. Im April drangen die Franco-Truppen bis zum Mittelmeer vor und spalteten so das von der republikanischen Regierung kontrollierte Gebiet in zwei Teile. Mitte Juli versuchte die Regierung mit einer Großoffensive, für die die letzten Reserven mobilisiert wurden, wieder eine Verbindung zwischen den beiden Landesteilen zu schaffen. Doch die Ebroschlacht, die bis zum 26. November dauerte, endete mit einer Niederlage. Im Januar und Februar 1939 gelang es den Putschisten, Katalonien zu erobern. Bereits am 27. Februar erkannten Großbritannien und Frankreich die Franco-Regierung offiziell an.

Mehr als 500.000 Menschen, unter ihnen die überlebenden Interbrigadisten, flohen nach dem Ende der Kämpfe aus Spanien und wurden in Frankreich interniert. Nur etwa 50.000 von ihnen, darunter viele Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, gelangten in der Folgezeit nach Mexiko, das allen Spanienkämpfern und ihren Familien politisches Asyl gewährte. Viele der in Frankreich verbliebenen Internierten fielen nach dem deutschen Überfall auf Frankreich in die Hände der Hitlerfaschisten. Nur wenige erlebten das Kriegsende.

In Spanien selbst nahmen Franco und seine Gefolgsleute blutige Rache. Bis 1945 wurden mehr als 100.000 republikanische Kämpfer nach kurzem Prozess erschossen. Konzentrationslager nach deutschem Vorbild, in denen Gegner der Diktatur aus der Zeit des Bürgerkrieges gefangen gehalten wurden, bestanden bis mindestens 1962.

Auch fast vierzig Jahre nach dem Tod Francos und dem offiziellen Ende der Diktatur ist Spanien noch weit von einer ehrlichen Aufarbeitung seiner Geschichte und einer wirklichen nationalen Versöhnung entfernt. Erst in den letzten Jahren wurden die zahllosen Denkmäler für Franco aus dem Bild der spanischen Städte entfernt, haben die Enkel und Urenkel der Opfer des Bürgerkrieges und der nachfolgenden klerikal-faschistischen Franco-Diktatur begonnen, sich für das Schicksal ihrer Angehörigen zu interessieren.