Disput

Sich einbringen

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Ach, warum nicht mal selbst den Tisch für das Frühstück decken, ein bisschen Initiative zeigen im Familienverbund. Nebenbei läuft das Radio und ich höre: »… werden wir uns verstärkt einbringen!« Tja, denke ich, während in Villariba noch gelabert wird, ist in Villabajo schon der Tisch gedeckt.

Er bringt sich ein, sie bringt sich ein, wir bringen uns ein - ich hau mich weg, jedes Mal, wenn ich diese Floskel höre. Ein wenig klingt sie ja wie aus einem Wochenendseminar für Bäume umarmende Großstädter; solche, bei denen das Veranstalterehepaar selbst kocht. Wohl dort entlehnt, ist diese Floskel nun gern genutzter Wortschaum zwischen verschiedenen mittleren Leitungsebenen.

Das gute und alte: »Ey!, mach mit, du Kaspar!« - so rau und geradeaus schön wie die Wirklichkeit, wo ist es geblieben? Weg! Verdrängt vom Sektensprech: »Wir würden es begrüßen, wenn du dich etwas mehr einbringst!« Vornehmlich natürlich in die Sekte oder die Gesellschaft - wobei Übergänge gern wabernd ineinanderfließen.

Aber eben auch andersherum hat man es schon gehört. Will man nicht abgehängt sein oder ausgeschlossen, eilt der Gehorsam voraus und Mensch oder Memme rufen proaktiv (auch so ein Müll-Wort): »Ich würde mich gern einbringen!« Beim ersten Hören dachte ich noch: »Hilfe, nein … Keine Krise ist so schlimm, dass man da nicht wieder rauskommt … Hier die Nummer vom Seelennotdienst!« Mittlerweile plärren selbst die Kleinsten diesen Satz, wo sie früher fragten, ob sie mitspielen dürfen.

»Sich einbringen« klingt stark, hat was von »Ich will mich opfern!«, ist mittendrin statt nur dabei, ist »sich mitbringen« und »eindringen« in Wortunion. Am Ende des Tages klingt es nur groß - ist in Wirklichkeit jämmerlich klein und nicht mehr als das übliche Mitmachen, aufgepumpt mit heißer Luft.