Disput

Das kleine Blabla

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Beim Frühstück zittert die Kaffeetasse auf dem Tisch, als vier Etagen tiefer ein Rammdorn den Asphalt perforiert. Durch den Lärm die Nachrichten: »… haben da noch mehrere Baustellen.« Ich kichre im Zwerchfell-Vibrato.

Egal, ob im wabengeteilten, sonnendurchfluteten Großraumbüro, beim Hochziehen schöner neuer Sozialwohnungen oder im familiären Menschenverbund – immer und überall haben alle so unfassbar viele Baustellen. Baustellen, die im komischsten Fall sogar »aufpoppen«.

Eigentlich sagt das doofe Sprachbild nichts weiter, als dass man noch jede Menge zu tun hat oder zu tun gedenkt. Als BER-gestählter Berliner tut sich vor dem geistigen Auge ein Zeitstrahl bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf. Denn auf vielen der verbalsumpfig vermeldeten Baustellen ist es auch nach Wochen so ruhig wie auf gewöhnlichen Autobahn-Baustellen zur Ferienzeit. Sie sind da – und bleiben dort, denn der Malocher hat offensichtlich noch andere Baustellen. Die Verwendung der Floskel verhält sich also umgekehrt proportional zum tatsächlichen Tun – je mehr, desto weniger.

Derjenige, der diese Formulierung in die Politik geschleppt hat, ist vermutlich der amerikanische Präsident von Amerika, Barack Obama, himself – höchstselbst. Sein, bei Bob dem Baumeister (!!!) entlehntes, »Yes, we can!« bereitete dem »Baustellen haben« schön den Boden – planierte ihn, um im Bild zu bleiben.

Wie im richtigen Leben: Es muss schon viel kaputt sein, damit es für eine Baustelle reicht. Und »Baustelle« klingt groß, ehrfurchtgebietend, gewaltig. Man bekommt Mitleid mit dem armen jemand, der so viele Baustellen hat. Aber: Das ist Taktik, das ist Berechnung. Der, ob der vielen Baustellen, in Ruhe Gelassene zieht sich gemütlich aufs Dixi-Klo zurück und guckt Zeitung, denn eine Baustelle ist eine Baustelle ist eine Baustelle …