Disput

Was ist los in den Kreisen?

Eine kleine DISPUT-Umfrage

Knapp 100 Kreisvorsitzende und -sprecher/innen kamen zur Kreisvorsitzendenkonferenz am 21. September in Berlin zusammen. Einleitend nahm Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn Bezug auf die jüngsten Landtagswahlen – mit Licht und Schatten. Auf die Bedeutung einer aktiven Mitgliederpartei wies die Parteivorsitzende Katja Kipping hin: Aufgabe sei es neben guten Wahlergebnissen auch, den Zeitgeist nach links zu verschieben. Parteivorsitzender Bernd Riexinger stellte die Eckpunkte einer Kampagne gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse vor. In sieben Foren diskutierten die Kreisvorsitzenden Aspekte der Parteientwicklung.

Am Rande der Konferenz bat DISPUT sechs Teilnehmer/innen, ihren Verband kurz vorzustellen:

  1. Was ist besonders an eurem Kreisverband?
  2. Was ist euch wichtig in den nächsten Monaten?

Marika Tändler-Walenta, Mittelsachsen

  1. Wir sind 750 Mitglieder (darunter zwei Landtagsabgeordnete), haben in den einzelnen Ortsverbänden ein hohes politisches Interesse und einen aktiven ['solid]-Verband.
  2. Ganz aktuell: die große Anti-Nazi-Demo am 4. Oktober in Döbeln sowie eine Veranstaltungsreihe zu politisch und kulturell relevanten Themen, unter anderem zu TTIP.

Klaus Tischendorf, Erzgebirge (Sachsen)

  1. Auch nach der Fusion aus vier Kreisverbänden (wegen der Gebietsreform) gibt es ein sehr harmonisches Miteinander von 780 Mitgliedern, wir profitieren voneinander. Bei der Landtagswahl lag DIE LINKE in der eigentlich CDU-dominierten Region leicht über dem Landestrend.
  2. Die Vorbereitung auf die Wahl eines neuen Landrates 2015 und der Versuch, uns mit anderen Parteien auf einen breiten Bündnis-Kandidaten zu einigen, um der CDU politisch Paroli zu bieten.

Pia Bange, Coesfeld (Nordrhein-Westfalen)

  1. Es gibt trotz des flächenmäßig großen Kreisverbandes eine enorme Solidarität unter den GenossInnen. Wir haben aus Fehlern gelernt und sind mittlerweile ein sehr harmonischer Verband. Wichtig für uns: Öffnung und Attraktivität für die Jugend.
  2. Geplant sind eine Sammlung von Kleidung, Spiel- und Haushaltswaren von Genossen als Spende für Bedürftige, eine Mahnwache gegen den Krieg, die weitere Vernetzung der Ortsverbände, Aktionen zu TTIP gemeinsam mit Attac.

Mignon Schwenke, Peene-Uecker-Ryck (Mecklenburg-Vorpommern)

  1. Wir sind 600 Mitglieder in einem großen Flächenkreis – stark in den Städten, schwach in den Gemeinden (also ein Problem bei Aktivitäten). Der Altersdurchschnitt ist hoch, aber regional stark differenziert. SDS und Jugendverband sind in der Uni-Stadt Greifswald sehr aktiv.
  2. Die Parteientwicklung wird Thema auf einer Klausur im Kreisverband sein. Die weitere Einbindung nicht gewählter Kommunalkandidaten ist das Ziel, sie sollen bei der Partei gehalten und eventuell als Mitglied gewonnen werden. Kommunale Themen sollen auch außerhalb der Parlamente diskutiert werden. Mit regelmäßigen Projekten für Mitglieder und durch Beratungen der Bürger/innen bei Hartz IV, Miete, Rente sollen Signale gesetzt werden: DIE LINKE ist da und hilft (Partei für den Alltag).

Brigitte Neff-Wetzel, Remscheid (Nordrhein-Westfalen)

  1. Wir sind – bei 110.000 EinwohnerInnen – nur 60 Mitglieder. Die Stadtfraktion aus drei Leuten arbeitet eng an Themen der Bürger/innen, ist Sprachrohr für bisher nicht vertretene Bürger/innen und dabei konsequent linientreu. Die Themen sind oft Minderheitenmeinungen, aber dass sie ins Parlament getragen werden, bringt positives Ansehen und Anerkennung (selbst beim politischen Gegner!).
  2. Mitgliederaktivierung stärken, um so die Leute besser zu binden. Wie mit dem traditionellen Sommerfest mit regional bekannten Künstlern und demnächst mit der Nikolaus-Aktion auf der Straße mit selbstgebackenen Keksen – dazu gab es bisher immer eine positive Resonanz bei den Leuten.

Janis Ehling, Marburg-Biedenkopf (Hessen)

  1. Im Verband sind sehr viele Studenten. Sie stellen 50 Prozent der Aktiven. Der Mobilisierungsgrad ist hoch und der SDS stark vor Ort. Der Kreis besteht aus Stadt und Land, was eine zersplitterte Basisstruktur zur Folge hat. Wichtig ist die Erhaltung der kommunalen Daseinsvorsorge. Wir haben gerade (leider ohne großen Erfolg) gegen die Privatisierung der Klinik gekämpft. Aber solche Aktionen bringen hohe Mobilisierung und so Kontakte zu AkteurInnen außerhalb der Partei.
  2. Geplant wird eine Sozialberatung für die Bürger/innen. Mitglieder aktivieren und neue gewinnen bleibt ein großes Ziel.

Umfrage und Fotos: Felix Thier