Disput

Wenn das nicht motiviert …

Über meinen Weg zur LINKEN und das traditionelle Neumitgliedertreffen der Partei

Von Julia Müller

Ich bin 20 Jahre und Studentin. Schon relativ früh begann ich, mich für Politik zu interessieren. Ausschlaggebend für ein erweitertes Interesse war der Umzug meiner Familie von Lehrte (bei Hannover) nach Berlin im Jahr 2009. Zur Wahl der Bezirksverordnetenversammlung 2011 habe ich mich intensiver mit den Parteien auseinandergesetzt und bin am Ende bei der LINKEN gelandet. Nun, wählen gehen ist der eine, aber in eine Partei einzutreten noch ein ganz anderer Schritt.

Meine Mutter erhielt lange Zeit Hartz IV, und wenn man jeden Cent zweimal umdrehen muss, um über die Runden zu kommen, macht sich das bemerkbar und grenzt aus der Gesellschaft aus. Hartz IV ist menschenunwürdig. Nicht nur dieses Thema bewegt mich. Die Angst der großen »Volksparteien« vor mehr direkter Demokratie ist peinlich. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auf. Auch bei internationalen Themen (zum Beispiel NATO-Austritt) fand ich mich in der LINKEN wieder.

Kurzum: Ich wollte nicht mehr »nur« wählen gehen. Ich wollte mich aktiv für soziale Gerechtigkeit und Werte einsetzen und hatte einen starken Veränderungsdrang. Deshalb trat ich im September 2013 der Partei bei.

Mittlerweile bin ich in Berlin-Lichtenberg im Bezirksvorstand und gut in das Parteigeschehen integriert. Es wurde unter anderem eine neue [‘solid]-Gruppe gegründet, um mehr junge Menschen im Bezirk anzusprechen. Die Arbeit im Bezirksvorstand und mit der Jugendgruppe macht mir viel Spaß. Ich finde es schön, wenn man sieht, dass die Arbeit Früchte trägt, wie bei der Arbeit der [‘solid]-Gruppe an der Jugendverkehrsschule in Lichtenberg (Malerarbeiten etc.).

Dies motiviert weiterzumachen, auch wenn es mal schwierig wird.

Vom 19. bis 21. September waren aus jedem Landesverband zwei Genossinnen und Genossen zum zentralen Neumitgliedertreffen nach Berlin eingeladen, auch ich. Christoph Kröpl und Tanju Tügel begrüßten uns im Karl-Liebknecht-Haus. Die Stimmung war sehr locker, Berührungsängste kamen bei niemandem auf. Am ersten Tag konnten wir uns in kleinen Gruppen mit je einem Parteivorstandsmitglied unterhalten. In »meiner« Gruppe mit Martin Schirdewan wurde viel über die mögliche Gewinnung von neuen Mitgliedern und über Schwierigkeiten, die während der politischen Arbeit entstanden, diskutiert. Anschließend stellten wir fest, dass es kein Thema gab, das ausschließlich Neumitglieder betrifft. Alle scheinen in der Partei angekommen zu sein und sich für vielfältige Themenkomplexe zu interessieren, wie Asyl-/Flüchtlingspolitik, Kinderbetreuung, Inklusion, Kommunikation, Frauenpolitik.

Am Samstagmorgen hatten wir die Möglichkeit, Matthias Höhn und Bernd Riexinger mit unseren Fragen zu löchern. Dabei spielte die geplante bundesweite Kampagne zum prekären Arbeiten und Leben eine große Rolle.

Einer kurzen Führung durch das Karl-Liebknecht-Haus schloss sich der Besuch auf dem Fest der Linken an. Ich hatte den Eindruck, dass es allen sehr gefallen hat: ein gut organisiertes Fest, wo für jeden etwas dabei war. Ob Musik, Polittalks, Infostände, Bücherflohmarkt, irgendwo konnte man sich immer wiederfinden. Am Nachmittag wurden einige von uns auf die Talkbühne zu einem kurzen Interview mit Katja Kipping geholt. Katja fragte uns, wie wir zur Partei gefunden haben, was wir jetzt machen, wo wir die Partei in vier Jahren sehen. Auch das Publikum war begeistert. Wenn das nicht motiviert, was dann?

An dem Wochenende folgte ein Highlight dem anderen. Am Sonntag ging es nämlich in den Bundestag. Das war nicht nur für diejenigen interessant, die nicht aus Berlin kamen, auch für mich war es das erste Mal. Alle haben sich darauf sehr gefreut und waren ein bisschen aufgeregt. Petra Pau und Christine Buchholz empfingen uns. In unseren Fragen an sie ging es unter anderem um Petras Arbeit im NSU-Untersuchungsausschuss und als Vizepräsidentin im Bundestag und um Reden, die beiden viel bedeuten und wichtig waren. Danach waren wir noch auf der Kuppel des Reichstagsgebäudes.

Insgesamt war es ein aufregendes und informatives Neumitgliedertreffen, vielen Dank den Organisatoren. Auch für mich war das ein einmaliges Erlebnis. Ich habe viele nette Bekanntschaften schließen können, mit denen ich weiterhin in Kontakt bleiben werde.