Disput

Ganz nah

In der Dorfkirche zu Dietzhausen: Sonderausstellung zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa

Von Rudolf Denner

»Weltgeschichte in Dietzhausen«, so hatte DISPUT im Juniheft 2014 einen Beitrag über eine Sonderausstellung in dem kleinen thüringischen Ort überschrieben. Es ging, illustriert mit eindrücklichen historischen Fotos und Tagebuchnotizen, um die »gewöhnlichen« Schrecken des Ersten Weltkrieges.

Am 17. April wird in der Dorfkirche von Dietzhausen erneut eine Weltkriegs-Sonderausstellung eröffnet werden. Diesmal zum zweiten. Mehr als zehn Zeitzeugen aus Dietzhausen und Umgebung haben dafür mir und den anderen Organisatoren ihre Erinnerungen übergeben. Berichte, Statistiken und Analysen über die Situation im Ort zwischen 1941 und 1945 wurden erarbeitet. Ergänzt wird die bisherige Darstellung der Kriegsopfer von Dietzhausen. Eine Karte informiert auf der Grundlage von Berichten unter anderem der amerikanischen Streitkräfte über die Besetzung der Region von Meiningen bis Oberhof im Frühjahr 1945. Die Ausstellung spannt einen historischen Bogen von den Festlegungen der Beratungen der damaligen Alliierten in Teheran und Jalta bis zu den Ergebnissen der Konferenz von Potsdam im Juli/August 1945.

Zeitgenössische Fotos, aufgenommen von Kriegsteilnehmern unseres Ortes, zeigen die Sinnlosigkeit und Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht von Soldaten wie Walter Kleffel und Heinz Thielemann. Sie fotografierten in Frankreich, Polen, der Ukraine, in Jugoslawien und auf anderen Kriegsschauplätzen, sie fotografierten ihren Truppenalltag, zerstörte Städte und Häuser, gefangene und gefallene Soldaten, Gefechtshandlungen und ihre Folgen.

Viele Kriegsteilnehmer haben nach 1945 über ihre Erlebnisse geschwiegen, manche waren wohl traumatisiert.

Seit 1998 veranstalten wir jedes Jahr »Historisch-fotografische Streifzüge durch die Dorfgeschichte«. Nach der vierten oder fünften Ausstellung gaben uns einige Kriegsteilnehmer – regelmäßige Ausstellungsbesucher – ihre Fotos und Fotoalben aus dieser Zeit. So entstanden mehr als 20 Ausstellungstafeln. Auf dieser Grundlage entwickelte sich manches Gespräch mit beachtlichem Erkenntnisgewinn, Nachdenklichkeit und mit Blick auf aktuelle Bezüge.

Diese Sonderausstellung wirft Fragen auf: Was würden die Kriegsteilnehmer wohl heute sagen, müssten sie zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland wieder an kriegerischen Auseinandersetzungen in Jugoslawien, Afghanistan und anderswo, direkt oder indirekt, beteiligt war bzw. ist? War nicht ihre Erkenntnis in die wenigen Worten zu fassen: Nie wieder Krieg – nie wieder!? Dürfen wir, die wir ihr Vermächtnis kennen, dazu schweigen – oder müssen wir es nicht für die Gegenwart und Zukunft bewahren, als eindringliche Mahnung für heutige und künftige Generationen?

Die Sonderausstellung wird am 17. April eröffnet und soll auch als CD veröffentlicht werden.