Disput

Ist denn heut schon Weihnachten …

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Hurra, gleich geht es los: verkaufsoffener Adventssonntag und danach Bondage-Session mit Geschenkband. Im Radio die Nachrichten, ich höre: »… ja, ist denn heut schon Weihnachten?« Nein, nein … auch wenn man bei LIDL und den anderen Pupsi-Märkten bereits seit Mitte September das Gefühl hat.

Humorige Zeitgenossen benutzen den schalen Scherzsatz »Ist denn heut schon Weihnachten!« a), wenn sie unerwartet und unverhofft Gaben erreichen und b) ganzjährig. Und sie halten es selbst für eine Gabe, so wundervoll witzig und einmalig einfallsreich zu sein … SIND SIE ABER NICHT! Rentier Rudolph glüht die Nase durch, und Knecht Ruprecht zuckt die Rute bei so viel bemühter Fröhlichkeit.

Wenn der 1. FC Union mal in den letzten zehn Spielminuten ein Spiel nicht vergeigt, wenn sich ein schimmeliges 10-Cent-Stück in der Waschmaschine findet, wenn einem gleich zwei Damen schmachtende Blicke zuwerfen, wenn Herr Schäuble jedem Bundesmenschen Steuererleichterungen in Höhe eines Briefportos verspricht … wenn einem also Gutes widerfährt, ist das – vielleicht das kleine Glück, aber keinesfalls ein Grund dafür, ein Krippenspiel samt Bescherung aufzuführen.

Die Verwendung klingt in jedem Fall so bemüht wie das Wünschen eines schönen neuen Jahres in den Iden des März. Und im Realfall kommt auch nichts unverhofft, sondern wurde – wie es sich gehört – erkämpft, erarbeitet, errungen. Nichts gibt es geschenkt – alles muss bezahlt werden, wenn nicht von einem selbst, dann von einer anderen armen Wurst. Und überhaupt: Den Weihnachtsmann gibt es gar nicht. So.

PS: Vom großen Harald Schmidt habe ich gelernt, auf die Frage in der Vorweihnachtszeit: »Und, hast du schon alle Geschenke?« stets zu antworten: »Wieso? Die krieg ich doch erst Heiligabend!« Und damit allen Lesenden ein paar schöne, ruhige Feiertage!