Disput

Links rum um die Alster

Breitensport muss vitaler Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge sein. Die Angebote der LAG Sport in Hamburg

Von Harald Singler und Meinulf Krön

Nicht nur in der Hauptstadt Berlin, sondern auch in der Hamburger Provinz ist das Thema Breitensport und NOlympia in aller Munde und ein überaus vielseitiges Betätigungsfeld für die 2014 in Hamburg gegründete Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Sport der LINKEN.

Über eine halbe Million Hamburgerinnen und Hamburger treiben regelmäßig Sport. Sie treffen sich, um gemeinsam mit anderen in Vereinen und privaten Gruppen mit großer Hingabe etwas für ihre Gesundheit zu tun oder um sich einfach für ein paar Stunden von ihrer großen Alltagslast zu befreien. Der Freizeit-und Breitensport erfüllt damit eine äußerst wichtige soziale und gesellschaftliche Funktion, verbindet er doch Menschen miteinander: Menschen mit und ohne Behinderungen, unabhängig von sozialen, ethnischen, nationalen, religiösen oder sexuellen Hintergründen. Das Thema Inklusion ist in der LAG Sport kein Lippenbekenntnis, es ist verinnerlichter Bestandteil der täglichen Arbeit. Dafür setzt sich auch Tim Eckbrett, Sprecher für Inklusion der Linksfraktion in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, ein. Auch Mehmet Yildiz, der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, unterstützt die AG.

Die LAG Sport sieht ihre Aufgabe darin, die einseitige Fixierung auf Event- und Hochleistungssportveranstaltungen in Hamburg aufzubrechen und stattdessen den Breitensport erheblich besser zu fördern. Ziel ist es, beste Rahmenbedingungen für kostenloses oder zumindest kostengünstiges Sporttreiben in der gesamten Bevölkerung zu gewährleisten. Hierzu müssen Sportstätten durch gemeinnützige Vereine zukünftig entgeltfrei genutzt werden können. Es muss endlich eine finanziell starke Sanierungsoffensive von städtischen und vereinseigenen Anlagen insbesondere in benachteiligten Quartieren geben. Die öffentlichen Sportflächen müssen erheblich ausgeweitet werden. Die Vergabe von Hallen- und Platzzeiten muss radikal vereinfacht werden. Die Öffnungszeiten von Schulsportplätzen müssen flächendeckend bis in die Abendstunden ausgeweitet werden. Neue Stellen für Platzwarte und Hausmeister/innen müssen entsprechend geschaffen werden.

Es bleibt dabei: DIE LINKE lehnt als einzige der in der Bürgerschaft vertretenen Parteien konsequent Olympische Spiele in Hamburg ab, weil diese für Hamburg erhebliche neue Schulden bringen würden. Die Verdrängung armer Menschen aus ihren angestammten Wohnverhältnissen und zunehmende Umwelt- und Verkehrsbelastungen wären die Konsequenz. Auch die Förderung des Breitensports bliebe auf der Strecke. Daher müssen die zwangsläufig zu erwartenden Kürzungen in der sozialen und breitensportlichen Infrastruktur verhindert werden.

Die eingesparten Gelder für die Olympiabewerbung sollten stattdessen vollständig in den Breitensport gehen. Wir stehen für die gezielte Ausweitung von Sportförderprogrammen für Kinder und Jugendliche sowie die Übernahme sämtlicher Kosten für Erwerbslose, Einkommensarme und deren Kinder durch die öffentliche Hand. Inklusion im Sport ist ebenfalls nur zu erreichen, wenn hierfür ausreichend öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Damit die gesellschaftliche Bedeutung des Sports und insbesondere des Breitensports endlich angemessen gewürdigt wird, muss Sport als Staatsziel in die Hamburgische Verfassung aufgenommen werden.

Die LAG Sport ruft erneut zur Teilnahme am »Lauf gegen Rechts« auf. Der 4. Lauf findet am 31. Mai 2015 statt. Veranstalter ist die Marathonabteilung des FC St. Pauli. Mit dem Lauf gegen Rechts – 7,4 km links rum um die Alster – wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam ein Zeichen setzen: ein Zeichen gegen Fremdenhass und Faschismus. Die bei dieser Veranstaltung gesammelten Gewinne gehen in voller Höhe als Spende an das Hamburger Bündnis gegen Rechts. »Wir wollen damit dessen wichtige Arbeit unterstützen, denn der Kampf gegen den Faschismus kostet nicht nur Kraft und Mut, sondern auch Geld«, so der Veranstalter. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 1.500 Menschen an dieser antifaschistischen Aktion teil. Läufer/innen und Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet zeigten Flagge, darunter Mitglieder der »Roten Socken« aus Berlin und der Hamburger LINKEN. Am Ende konnten fast 15.000 Euro an das Bündnis übergeben werden. Anmelden kann man sich auf der Webseite des Veranstalters: www.fcstpauli-marathon.de/gegenrechts.

Sport getrieben wird natürlich ebenfalls, denn wer linke Politik machen will, braucht auch oder gerade in Hamburg Ausdauer und Leidensfähigkeit. Da ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass sich in der noch jungen Gemeinschaft auffallend viele Marathonläufer zusammengefunden haben, unter ihnen der Landessprecher der Partei, Rainer Benecke. Wer aber nur mal eine Runde »links rum« um die Alster laufen will, ist hier ebenso gut aufgehoben. Ausgedehnte sommerliche Radtouren gehören ab 2015 ebenfalls zum Programm, und für Entspannung sorgt Sandra Clemens mit ihrem Kursangebot »Autogenes Training«. Rotsport!

Harald Singler (48) ist Sprecher der LAG Sport und glühender Anhänger des FC St. Pauli, wo er 2011 die Marathonabteilung des Vereins gründete und 2012 mit anderen den »Lauf gegen Rechts« ins Leben rief. Meinulf Krön (51) ist Mitglied der LAG Sport, wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Abgeordneten der Bürgerschaft sowie Ultramarathon- und Marathonläufer.