Disput

Einblick in die Praxis

19 junge Frauen beteiligen sich am Mentoringprogramm der Partei. Eine von ihnen zieht eine Zwischenbilanz

Das Mentoringprogramm ist ein Programm des Parteivorstandes und richtet sich an engagierte Frauen zwischen 18 und 35 Jahren. Sie erhalten die Möglichkeit, DIE LINKE und ihre Politik umfassender kennenzulernen, um so zukünftig mehr Verantwortung zu übernehmen. Durch linke und feministische Inhalte, durch die Stärkung methodischer Kompetenzen und durch den Austausch mit den Mentorinnen und Mentoren werden politische Prozesse für die Teilnehmerinnen nachvollziehbarer. Nathalie Schäfer, 20, ist Studentin aus Offenbach am Main und berichtet DISPUT, was sie bereits gelernt hat und was sie noch erwartet.

Wie fügt sich das Mentoringprogramm in deinen Alltag ein?

Jeden Dienstag arbeite ich vier Stunden im Wahlkreisbüro meiner Mentorin Christine Buchholz. Dabei fällt neben den allgemeinen Tätigkeiten und Aufgaben noch die Realisierung meines politischen Projekts an.

Zu Beginn des Mentoringprogramms formulieren die Menntees, so werden die Teilnehmerinnen genannt, ihre Ziele. Dabei sollte für die Laufzeit des Programms – ein Jahr – ein politisches Projekt bearbeitet werden. Was das für ein Projekt ist, ist der Mentee selbst überlassen.

Was ist dein politisches Projekt?

Die Realisierung der Prekarisierungs-Kampagne in Offenbach. Diese Kampagne sollte in Zusammenhang mit dem Kita-Streik 2015 durchgeführt werden. Da der Arbeitskampf nicht unwesentlich über die Öffentlichkeit entschieden wird, ist Solidaritätsarbeit der Partei DIE LINKE unabdingbar. Für mein Projekt habe ich alle staatlichen Kitas in Offenbach und deren Telefonnummern zusammengetragen. Auf einer Stadtkarte wurden die Kitas eingetragen und mit den Wahlergebnissen der LINKEN verglichen. So kann man in den Stadtteilen, in denen DIE LINKE traditionell stark ist, politische Aufklärung betreiben und praktisch unterstützen. Eine solche Koordination von öffentlichen Veranstaltungen, Soli-Gruppen etc. ist mein politisches Projekt.

Du sprichst von alltäglichen Aufgaben. Bist du so etwas wie eine Praktikantin?

Nein, zwar beinhaltet das Mentoringprogramm ein Praktikum, aber nur in Form einer »Beschattungsphase« – dabei begleiten wir Mentees unsere Mentorinnen. Wir genießen also schon so etwas wie einen Sonderstatus. Meine täglichen Aufgaben unterscheiden sich auch von denen einer Praktikantin. Zwei der Aufgaben möchte ich herausstellen: Im Namen meiner Mentorin habe ich bei der Ahmadiyya-Gemeinde ein Grußwort zu ihrem 40-jährigen Bestehen gehalten und habe es, mit leichten Korrekturen, selbstständig geschrieben. Das Grußwort wurde positiv aufgenommen und fand sogar in der »Offenbacher Post« Erwähnung.

Und die zweite Aufgabe?

Sie war eigentlich keine richtige Aufgabe, sondern eher das Einreichen einer Idee. Vom 21. bis 23. November 2014 fanden die Blockupy-Aktionstage in Frankfurt am Main statt. Obwohl ich durch eine Termindopplung nicht an den Aktionstagen teilnehmen konnte, habe ich meinen Beitrag geleistet. Das Blockupy-Banner der LINKEN trug den Spruch »Demokratie statt Macht für Banken und Konzerne! – No TTIP. No TISA. No CETA«. Dieser Spruch entstammt meiner Feder, und ich habe mich sehr gefreut, dass er vom Landesvorstand übernommen wurde.

Was wird dich im Mentoringprogramm noch erwarten?

Wie ich schon erwähnt habe, ist ein Praktikum mit »Beschattungsphase« fester Bestandteil. Darauf freue ich mich besonders. Ich darf meine Mentorin in den Bundestag begleiten, jedoch nicht in den Verteidigungsausschuss. Dafür wird es für mich die Möglichkeit geben, an Sitzungen der Bundestagsfraktion teilzunehmen und die Abläufe eines Bundestagsbüros hautnah mitzuerleben. Zusätzlich arbeite ich an meinem politischen Projekt in Offenbach und helfe bei der Organisation beispielsweise des Neujahrsempfangs der Partei mit.

Warum hast du dich für das Programm beworben?

Ich bin schon seit fünf Jahren politisch aktiv, vor allem im Jugendverband linksjugend ['solid]. Jedoch fehlt es mir an Skills, grade so etwas wie frei sprechen, politische Texte schreiben, in Diskussionen überzeugen etc. Im Mentoringprogramm wird dieser methodische Ansatz sowohl mit politischer Praxis als auch mit politischer Theorie verbunden. Das fand ich toll! Außerdem hat man die Möglichkeit, sich mit anderen jungen Frauen auszutauschen. Auch ist der Support der Gruppe groß. Ich empfehle jeder, sich für das Mentoringprogramm 2015 zu bewerben.