Disput

Eine Lanze brechen

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Sonntagmorgen, Reste aus der »Taverna Odyssee« vom Vorabend hängen noch zwischen den Zähnen, Gefummel mit dem Zahnstocher. Im Radio die Nachrichten, ich höre: »… dafür möchten wir eine Lanze brechen!« Es knackt, es knirscht, es tut weh – der Zahnstocher als Balken im Auge ebenso wie das Gehörte.

»Eine Lanze brechen« ist ein weiteres Sprachbild aus der schlechten Reihe »Was im Krieg geht, taugt auch für den Frieden!« und stammt aus uralter Zeit. Im finsteren Mittelalter hat man ja nicht nur auf die Straßen gekackt und die Pest überlebt. Es gab Könige und mehr oder weniger schöne Burgfräulein. Und es gab Ritter, quasi Söldner im Dienste ihrer Herren, und wenn mal grad kein Raubzug war, gab es »Ritterspiele«, um sich fit zu halten. Diese fröhlichen Kloppereien kennt man heute von Mittelaltermärkten – dort aus Mangel an Pest und zu viel an Hygiene.

Und hier traten die Ritter mit ihren Lanzen gegeneinander an, sie taten dies nicht für sich, sie ritten und stritten für ihre Herren (oder die Prinzessin). Für diese opferten sie sich, und wenn es gut ging, brach nur die Lanze; sonst wurde es knapp für den Knappen.

Ganz abgesehen davon, dass man kriegerische Sprachbilder möglichst in Frieden lässt und nicht benutzt, fällt an der Herkunft schon Folgendes auf: Erstens kann man nur eine Lanze brechen! Handballergebnisse sind beim Ritterpiez mit Anstechen nicht eingepreist. Mithin liegt DIE LINKE in Velbert daneben, wenn sie sich in einer Presseerklärung rühmt, man habe »drei Lanzen für die Stadthalle« gebrochen. Zweitens schlummert auch hier der Teufel im Detail: Eine Lanze kann man nur für einen Menschen brechen, nicht für Gebäude, Gegenstände oder versicherbaren Hausrat. Der König oder die Principessa stehen über allem – ihm oder ihr weiht man sein Leben und das Hilfsmittel Lanze. Alles im Lanze-lot? Ich hoffe.