Disput

Aktion »Weihnachtspäckchen«

Seit 20 Jahren unterwegs für rumänische Kinder

Von Jeanette Tittel

Wir sind eine ehrenamtliche Initiative aus Gößnitz im Altenburger Landkreis (Thüringen) mit derzeit zehn fest Mitwirkenden. Das Projekt entstand vor rund 20 Jahren, als Ursula Weber das erste Mal nach Rumänien reiste. Gegen die oft menschenunwürdigen Umstände dort wollte sie unbedingt etwas tun. Seitdem reiste sie schon viele Male mit Lebensmitteln und Bekleidung nach Rumänien. Irgendwann entstand die Idee der Aktion »Weihnachtspäckchen für Rumänien«, und die Gruppe vergrößerte sich zusehends.

Mittlerweile ist das Projekt recht bekannt im Landkreis, viele Menschen rufen uns schon im September an, um sich über die nächste Fahrt zu informieren. Wir halten regelmäßig Vorträge in Schulen, besuchen Kindergärten, Pflegeheime und andere Institutionen und erzählen von unserem Projekt. Das ist sehr wichtig, da die Menschen dadurch einen persönlichen Bezug zum Projekt bekommen und dann bereit sind, für die Bedürftigen zu spenden.

Im Jahr gibt es zwei Fahrten nach Rumänien. Im April fahren wir meist mit LKW und bringen Sachmittel für Krankenhäuser und Pflegeheime. Durch den guten Kontakt zu vielen Krankenhäusern hier im Umkreis bekommen wir regelmäßig Großspenden wie Betten, OP-Zubehör und ähnliche Dinge.

Zu Weihnachten widmen wir uns dann ganz der Päckchenaktion. 2014 konnten wir in unserem Landkreis 1.213 Pakete und Fahrräder sammeln. Für den Pflegebereich hatten wir außerdem Inkontinenzwindeln, Rollatoren und Rollstühle. Die vier Fahrzeuge werden uns jedes Jahr von denselben Spendern zur Verfügung gestellt.

In Rumänien kommen wir seit mehreren Jahren in Ludus bei einer Familie unter, die sich sehr für ihre Mitmenschen engagiert. Ihr Haus wird sozusagen als Lager benutzt und ist der Startpunkt unserer Tour. Jeden Morgen erhalte ich eine Liste der Kindergärten und Schulen, die wir an dem Tag besuchen werden. Ich habe dann gleich die Infos darüber, wie viele Schüler welchen Geschlechts wir in den verschiedenen Orten aufsuchen werden. Viele Kinder wissen schon, dass wir kommen. Sie sind sehr berührt und freuen sich sehr über unsere Pakete, für viele ist es das einzige Weihnachtspäckchen überhaupt.

Eine Lehrerin erzählte mir, dass sie manchmal vier Wochen braucht, um die Kinder wieder zu beruhigen. Es ist immer wieder sehr schön mit anzusehen, wenn die Kinder die Pakete aufmachen, wie sie strahlen und stolz ihren Inhalt den anderen Kindern zeigen.

Rund um Ludus fahren wir ca. 15 Orte an. In Ludus selbst besuchen wir immer auch das Krankenhaus und die Kinderstation. Dort gibt es Kinder, die nach ihrer Geburt da bleiben, weil Eltern sie aufgrund von Behinderungen nicht behalten möchten. Für mich ist das eine emotionale Talfahrt. Die Kinder liegen in ihren Gitterbetten und vegetieren vor sich hin, einige zeigen bereits deutlichen Hospitalismus. Wir versuchen immer, dort ein bisschen mehr Zeit einzuplanen, damit diese Kinder auch Zuneigung bekommen. Erst seit vorletztem Jahr haben sie dort ein Spielzimmer, ein kleiner Trost, den wir mitnehmen.

Neu im vorigen Jahr war der Besuch in einer Klinik für geistig behinderte Menschen in Ludus. Das Heim beherbergt ungefähr 80 Bewohnerinnen und Bewohner. Das Gebäude wurde von der Europäischen Union finanziert und hat dadurch räumlich gesehen sehr gute Voraussetzungen für professionelle Arbeit. Dennoch fiel uns auf, dass es in Teilen stark bei der Ausstattung hapert und beispielsweise Pflegebetten fehlen.

Das wird dann wahrscheinlich auch Aufgabe unserer nächsten Reise im Frühjahr dieses Jahres sein. Den Kontakt zu Einrichtungen in Thüringen haben wir dafür schon hergestellt. Unterstützung ist von jeder Seite sehr willkommen.