Disput

Schwarz auf weiß

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Kaffeeduft zieht durchs Gemäuer, randvoll die Tasse. Im Radio die Nachrichten, ich höre: »… hat es die Bundesregierung schwarz auf weiß.« Ich zucke unrhythmisch, und auch die neue Tischdecke hat es nun - schwarz auf weiß.

Eigentlich ist diese kleine Formulierung eine sympathische Floskel, erinnert sie doch an die gute alte Zeit, so kurz nach der Erfindung des Buchdrucks. Damals, als Nichtiges und Wichtiges eben noch ganz schlicht schwarz auf weiß standen. Deshalb will ich gar nicht lästern - eher eine Lanze brechen (Lanze brechen, eine: siehe »Das kleine Blabla« DISPUT 02/15 - wahrscheinlich) für die Einfachheit, die Schnörkellosigkeit und Eingängigkeit des Bildes.

»Da steht es doch schwarz auf weiß!« - Das hat so etwas Ehrliches, ist quasi der Faktencheck des vor-digitalen Zeitalters und war unumstößlich sicher. Das wusste auch der gute alte Geheimrat aus Weimar, der olle Goethe: »Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.« So heißt es im »Faust«. Die heutige »Fack ju Göhte«-Generation verziert im Suff und mit viel Freude seine Äußerungen im Internet mit Icons, Bling-Bling, viel Buntem, knalligen Farben - und will, kaum aus dem Rausch erwacht, Gemaltes nicht mehr wahr haben.

Aber auch so manche Äußerung von Interesse sieht aus wie Kraut und Rüben, hebt Wichtiges in Bunt hervor, dabei hilft doch - in diesem Fall und nur in diesem - der scharfe Kontrast von schwarz auf weiß dem Erkennen und mithin der Erkenntnis. Zurück zur Einfachheit, zurück zur Klarheit.

Um dem Gegenüber die eigene Position deutlich zu machen, ihn auf unumstößliche Fakten hinzuweisen, Beweise zu liefern oder ihn auch nur zu belehren, hat sich die Formulierung schlicht bewährt - und ist die einzige Schwarz-Weiß-Malerei, die ich gelten lasse.