Disput

Urlaub von der Politik?

Eine kleine DISPUT-Umfrage

Wohin soll denn die Reise gehen? Müssen Nachrichten in den Ferien sein? Geht es im Urlaub ohne Politik?

 

Bettina Fortunato, Landesverband Brandenburg: Im Urlaubsplan steht Portugal, wo die Familie wohnt. Auch dort muss Politik sein, zumal der Schwiegervater seit 68 Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei Portugals ist. Zu meiner Information dienen Internet und Facebook.

Heike Werner, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie in Thüringen: Eine Woche fahre ich nach St. Petersburg, eine Woche zum Zelten nach Norditalien. Bisher habe ich immer versucht, ohne Politik im Urlaub auszukommen – mit dem neuen Amt wird das nun nicht mehr ganz funktionieren. Das Handy bleibt also wohl an. Früher habe ich Nachrichten und aktuelle Ereignisse ganz ausgeblendet, heute werde ich wohl zumindest einmal die Schlagzeilen überfliegen, und das dann im Internet, und an den Kiosken die Titelseiten der Zeitungen.

Barbara Spaniol, Landesverband Saar: Zum Erholen geht es mindestens drei Wochen in den Süden Frankreichs. Doch auch dort komme ich nicht ganz ohne Politik aus, allerdings deutlich weniger als normal. Wenn nötig, werden im Urlaub schon einmal Presseerklärungen geschrieben und Anfragen beantwortet. Ich bin also erreichbar. Für die Nachrichten dienen die Online-Medien der »FAZ« und »Süddeutschen«, als Zeitung auch mal der »Spiegel«. Ein Informationsloch soll nicht entstehen.

Steffen Bockhahn, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern: Für zwei Wochen geht es in die Provence. Ich versuche zwar, ohne Politik auszukommen – es wird aber wohl nicht möglich sein. Nachrichten gibt es online, bei den Zeitungen wird im Abo ebenfalls online gelesen. Informationen müssen sein – aber nicht gleich am frühen Morgen.

Heidi Scharf, Landesverband Baden-Württemberg: Zum Urlaub weilte ich zwei Wochen in Ägypten, und es ging, weil ich mit einer politischen Gruppe auf Studienreise war, absolut nicht ohne Politik! Die örtliche Tagespolitik spielte zum Beispiel beim Besuch in Kairo, Stichwort Arabischer Frühling, eine große Rolle. Da wir ansonsten per Schiff auf dem Nil unterwegs waren – und es so kaum Internet und bei Halten in Dörfern auch keine deutschen Zeitungen gab –, war die deutsche Tagespolitik nicht auf der Agenda. Urlaub war also: abschalten!

Thorsten Zopf, Landesverband Berlin: Ohne Politik geht es nicht, Facebook ist immer dabei. Bei einem Urlaub in Deutschland begleiten mich »neues deutschland«, »Spiegel« und »stern«. Dieses Jahr besuche ich die Hanse Sail in Rostock, außerdem fahren wir für eine Woche nach Rom. Das hat meine Frau »verschuldet« – wir feiern dort Silberhochzeit.

Mona Mittelstein, Landesverband Schleswig-Holstein: Im letzten Jahr war ich in Palästina und besuchte die Westbank. Es ging also logischerweise nicht ohne die Ortspolitik, die deutsche Politik spielte aber gar keine Rolle. Nachrichten aus der Heimat hätten mich in der Westbank vermutlich eh nicht erreicht: Zeitungen gab es nicht, Internetempfang war auch kaum möglich. So habe ich auch erst gar nicht versucht, News zu verfolgen. Ach ja: Dieses Jahr geht es zum Urlauben absolut unpolitisch nach Kalifornien.

Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender: In diesem Jahr geht es drei Wochen nach Norwegen. Eine weise Frau hat mir einmal folgenden Leitsatz mitgegeben: In der ersten Woche bist du noch im Dienst, die zweite Woche ist zum Wohlfühlen da, und in der dritten Woche beginnst du dich zu langweilen – das ist dann die Erholung! Wahrscheinlich wird aber auch hier der Urlaub nicht ohne Politik möglich sein. Bei den Medien sollten es bitte keine komplizierten Zeitungen sein, beim Internet wird querbeet gestöbert.

Umfrage und Fotos: Felix Thier