Disput

Lucas, wovon träumst du?

Lucas Hirtz, 26, studiert Biotechnologie und ist Sprecher der Kreisverbandes Duisburg und des Ortsverbandes Homberg/Ruhrort/Baerl

Lucas, wovon träumst du?
Vom MSV Duisburg in der ersten Liga auf den »internationalen Rängen«. Und davon, in unwirtlicher Gegend eine Oase zu schaffen.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Wie viele Menschen am Rhein-Ruhr-Marathon teilnehmen. Deswegen bin ich viel zu spät zu einer Sitzung gekommen.

Was ist für dich links?
Links ist da, wo der Daumen rechts ist. Politisch bedeutet links, Sachverhalte von verschiedenen Seite zu betrachten, ohne Schwarz-Weiß-Denken, und dann unter der Prämisse, Gutes zu tun für alle Menschen (gegebenenfalls sogar Lebewesen), zu entscheiden und dabei nie das Ziel einer gerechten Gesellschaft aus den Augen zu verlieren.

Worin siehst du deine größte Stärke, deine größte Schwäche?
Meine Schwächen sind, dass ich bei Projekten ungeduldig bin und dass das manchmal zu Lasten der Genauigkeit geht. Das wird im Kreisvorstand aber durch GenossInnen ausgeglichen. Mir wird manchmal gesagt, dass ich gut zuhören kann und dadurch, dass ich mit Spaß und Elan an die Parteiarbeit gehe, älteren GenossInnen Kraft und Motivation für Parteiarbeit gebe.

Was war dein erster Berufswunsch?
Brückenbauingenieur. Als Kind habe ich im Urlaub an Bächen, aber auch am Rhein versucht, Brücken zu bauen.

Wenn du Parteivorsitzender wärst ...
... würde ich mehr Parteistrukturen im Ruhrgebiet aufbauen und Veranstaltungen machen. Der Pott ist wesentlich größer als Berlin, die Rheinschiene ist mit der Bahn 20 bis 30 Minuten entfernt. Es könnten also sehr viele Menschen angesprochen werden, zumal die Programme der LINKEN auf die Probleme der Menschen hier besonders passen. Ich glaube, dass die guten Veranstaltungen der Partei in Berlin etwas im Tagesgeschäft der Hauptstadt untergehen, was im Pott nicht so wäre. Ansonsten bin ich aber hoch zufrieden mit der Arbeit von Katja und Bernd.

Was regt dich auf?
Die Ignoranz, mit der viele Menschen die Flüchtlingspolitik angehen. Auch in Duisburg wird gegen Asylheime demonstriert, werden Politiker von Asylgegnern bedroht. Wie kommen diese Leute auf die Idee, die Abweisung von Flüchtlingen brächte ihnen auch nur einen minimalen Vorteil? Wie können sie die Tragödien ignorieren, die hinter jeder Fluchtgeschichte stehen?
Außerdem macht mich die Arroganz der Neoliberalen gegenüber der neuen griechischen Regierung wütend. Merkels, Schäubles, Schulzes, Junckers und Dijsselbloems Verhalten ist bar jeder Vernunft und Menschlichkeit. Es geht ihnen nur um die Verhinderung sozialer Alternativen.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Für Pflanzen, insbesondere Kakteen.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?
Klar, wer findet sich schon perfekt?

Vaterland, Mutterland, Deutschland – wie gern lebst du hier?
Ich lebe gern hier, vor allem in Duisburg, das besser ist als sein Ruf. Ansonsten kann ich mit »Vaterland« nichts anfangen. Viele fahren am Wochenende zum Einkaufen nach Holland oder da mal ein Wochenende an die See. Deshalb fühle ich mich auch mehr mit den Niederlanden verbunden als etwa mit Bayern, zumal ich tatsächlich niederländisch besser verstehe als bayerisch.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Das sind ja verschiedene Kategorien. Beide müssen sein. Helden muss es geben, da sie sich über das Normalmaß für andere einsetzen. Auch Vorbilder müssen sein, da jeder Mensch Orientierung braucht, es darf aber nicht in Vergötterung abdriften. Vielmehr sollten Entscheidungen und Handlungen zum Vorbild genommen werden: etwa die Gewaltfreiheit, aber Konsequenz Martin Luther Kings, der Mut Rosa Parks, die konsequente Menschlichkeit der Edelweißpiraten …

Wann fühlst du dich gut?
Da gib es verschiedene Möglichkeiten: Im Garten, mit Freunden, nach dem Sport, auf guten Demos, nach erfolgreichen Sitzungen oder einfach nur in der Sonne, wenn gerade ein gute Lied läuft.

Wen oder was würdest du mit auf eine Insel nehmen?
Meine Freundin, ein Messer, Samen und natürlich klimagerechte Kleidung.

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in deinem Leben?
Ehrlich gesagt so gut wie keine.

Mit wem lachst du besonders gern?
Mit meiner Partnerin kann ich gut lachen, aber auch mit meinen FreundInnen und GenossInnen.

Wovor hast du Angst?
Vor der Neigung der Menschen, in Chauvinismus, Nationalismus zu verfallen und sich gegen die Schwachen zu wenden.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?
Aufopferung für Andere und Eintreten für die Überzeugungen.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Wer bis zum Hals in Scheiße steckt, sollte den Kopf nicht hängen lassen.