Disput

Liefern

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Zu müde für auch nur einen Handschlag, lassen wir uns das Frühstück vom freundlichen Bäcker nebenan bis zur Wohnungstür bringen. Im Radio die Nachrichten, ich höre: »… der Minister muss nun endlich liefern!« Das warme Brötchen, gerade eben quasi bis ans (Butter-)Messer geliefert, schmeckt auf einmal alt und pappig.

Ob Fußball, Kultur oder Politik – gegenwärtig gibt es kaum einen Bereich des Alltags, in dem die Formulierung »muss liefern« nicht wie der Grippevirus in Berlin um sich greift. Das erstaunt einen in Zeiten, in denen die Großen der Logistikbranche wegen mieser Arbeitsbedingungen zu recht am Pranger stehen – jetzt gilt für alle anderen, sie »müssen liefern«.

Die Logistikbranche ist hier nicht zufällig eingeflochten, natürlich nicht. Leitet sich doch das grassierende Übel »liefern« vermutlich von einer veränderten Geisteshaltung ab. Der, die, das macht etwas und kommt zu einem Ergebnis – einem Gesetz, einem neuen Hit, einer Runde weiter im Pokal. So war es früher. Heute tritt alles, jede und jeder mit der etwas überheblichen Erwartungshaltung an, der die Post allein früher ja gar nicht gerecht werden konnte: ICH habe etwas bestellt (den Sieg, das Lied, das Gesetz) – wann wird geliefert? Wann wird es MIR geliefert?

Während zum Beispiel »ein Ergebnis vorlegen« wunderschön unkonkret ist, ist bei »muss liefern« im Hinterkopf die Terminierung, der »Liefertermin«, schon mit eingepreist – der Zeitdruck ist ungleich höher, verursacht Stress und macht kaputt. Wer da nicht für seinen Job brennt, wird gefeuert – wer nicht liefert, ist geliefert … und steht dann da wie bestellt und nicht abgeholt.

Wer sich dem nicht ausliefern will, muss die Annahme verweigern! Stattdessen auf die Couch, vor die Glotze und einen guten Tatort schauen. Jan Josef liefert doch so schön.