Disput

Ein Stück Integration

In Werkstatt und Sporthalle engagiert sich Ronny Weber aus Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) für behinderte Menschen

Du bist Betreuer in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Wer kommt dorthin, und was ist deine Aufgabe?

In die Werkstatt werden Menschen aufgenommen, die wegen Art und Schwere ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Das sind körperlich, geistig, seelisch und mehrfach behinderte Menschen. Durch Arbeit sollen sie gefördert werden. Wir helfen ihnen, Selbständigkeit zu erlangen, und beziehen sie in das gemeinschaftliche Leben ein.

Meine Aufgabe besteht darin, die behinderten Menschen in ihrer Persönlichkeit und in ihrer Fach- und Sozialkompetenz zu fördern und zu fordern. Das geschieht zum großen Teil über Arbeitsaufträge, die wir frist- und normgerecht erfüllen müssen. Jeder Einzelne erhält dafür individuelle Hilfe und Qualifizierung. Der Übergang vom Werkstattbereich auf den ersten Arbeitsmarkt ist das große Ziel der Einrichtung und somit auch meiner Tätigkeit als Gruppenleiter.

Deine Freizeit gehört sehr stark dem Handball. Seit wann bist du aktiv?

Seit meinem 14. Lebensjahr spiele ich Handball beim SV Sachsenring Hohenstein-Ernstthal. Ich habe schon alle Positionen, außer der des Torwarts, gespielt. Mein sportlich größter Erfolg war der Aufstieg unserer Mannschaft in die Bezirksliga, in der wir drei Jahre die Klasse halten konnten. Derzeit verstärke ich unsere dritte Handballmannschaft – den vielen jungen Spielern dort will ich meine Erfahrungen weitergeben, um sie für unsere Bezirksklassemannschaften fit zu machen.

Natürlich wird nach dem Training mitunter auch über Politik gesprochen. Zum Beispiel über Themen wie die Flüchtlingspolitik, über kommunale Belange oder meine Tätigkeit in der Werkstatt.

Seit Jahren betreust du ehrenamtlich behinderte Handballer. Was bedeutet dir diese Tätigkeit?

Seit 1994 organisiert die Abteilung Handball regelmäßig Turniere für Menschen mit Behinderung. Ich habe von der ersten Stunde an mitgewirkt.

Meinen Zivildienst absolvierte ich 1998 in der WfbM »Lebensbrücke« in Glauchau. Als aktiver Handballer wurde ich dort gefragt, ob ich die Mannschaft der Einrichtung mit betreuen möchte. Da habe ich nicht lange überlegt. Nun trainiere ich schon seit ca. 12 Jahren die handballbegeisterten behinderten Menschen als Hauptverantwortlicher. Ich bin davon überzeugt, dass es gerade über den Sport sehr schnell gelingt, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen.

Und wie bereichert der Sport deine »Schützlinge«?

Für sie bedeutet der Sport – neben der körperlichen Betätigung –, gemeinsame Erlebnisse und Spaß zu haben und natürlich auch ein bisschen dem Alltag zu entfliehen. Ich möchte im Training Erfahrungen weitergeben, soziale Kompetenzen fördern und etwas mehr Bewegung in ihr Leben bringen. Die Platzierung bei Turnieren ist eher zweitrangig. Im Vordergrund stehen die Leistung jedes Einzelnen, der sein Bestes gegeben hat, sowie ein Stück Integration in unsere Gesellschaft.

Was waren die sportlichen Höhepunkte der letzten Zeit?

In der Zwischenzeit haben wir im Rahmen von Special Olympics an zahllosen Turnieren und nationalen Meisterschaften teilgenommen. Höhepunkt für einen Spieler waren die Weltspiele in Shanghai und Athen. Für unseren Torhüter und mich ging es in diesem Jahr nach Los Angeles zu den Special Olympics World Summer Games (Olympische Spiele für Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung). Als Headcoach begleitete ich unser Team Germany in der Vorbereitung und in LA. Das war ein großartiges Erlebnis für alle Teilnehmenden.

Warum bist du Mitglied der LINKEN?

DIE LINKE ist die einzige Partei, die noch nie für einen Kriegseinsatz gestimmt hat!

Für mich ist wichtig, dass bei der LINKEN das Geschlecht, die Abstammung oder sexuelle Neigung keine Rolle spielt. Die strikte Ablehnung von Nazis, der Einsatz für sozial benachteiligte Menschen in unserem Rechtsstaat sowie das Engagement für Kultur und Sport sind besonders wichtige Punkte meiner Mitgliedschaft. Hier schließt sich der Kreis in Bezug auf meine berufliche Tätigkeit als Gruppenleiter in der WfbM sowie bei der ehrenamtlichen Arbeit im Bereich Handball: Inklusion aller in unsere Gesellschaft.

Gern würde ich mich wieder mehr um die Arbeit direkt in der Partei kümmern, leider fehlt mir ein wenig die Zeit dazu. Zehn Jahre habe ich im Stadtrat gesessen. Dort konnte ich ganz gute Erfahrungen in der Kommunalpolitik sammeln.

Interview: Simone Hock