Disput

Zeitfenster

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Der Schlaf endet am Morgen erst gegen 16 Uhr. Wohl kaum noch die richtige Zeit für ein Frühstück. Während ich den Kaffee schlürfe, läuft das Radio, ich höre: »… stand nur ein schmales Zeitfenster zur Verfügung.« Entgegen meiner Natur wogt Gewalt in mir auf, ich möchte einen Stein nehmen und die Zeitfenster-Scheibe einwerfen.

Zeitfenster – das ist einer jener Begriffe, die oft gebraucht und eigentlich gar nicht mit einer gegenständlichen Vorstellung verbunden werden können. Früher gab es einen Zeitraum, in dem etwas erledigt werden konnte, zum Beispiel Frühstück im ClubMed von 7.30 Uhr bis 10.00 Uhr. Irgendwann bekam dieser Zeitraum dann ein Zeitfenster, in der Regel war dieses schmal oder schloss sich zunehmend. Weit offen sind Zeitfenster sowieso nie – vermutlich, weil es sonst zieht, im Kopp.

Lustig ist es, wenn »das Zeitfenster sich schließt, in dem die Tür (für Verhandlungen) offen ist« – sehr, sehr lustig. Oder traurig. Wer so sorglos mit Sprache umgeht, soll sich die Finger klemmen.

Die Vermutung, dass irgendein »Begriffsstutziger« hier im englischen Sprachraum geplündert und fröhlich fehlübersetzt hat, kann nicht belegt werden. Den »Time-frame«, den Zeitrahmen, gibt es dort analog zum Zeitraum sehr wohl – die Scheibe eingesetzt, und daraus ein Fenster gemacht, haben aber dann diejenigen, die eine haben.

Dass ein Fenster nicht immer ein Fenster im eigentlichen Sinne sein muss, weiß man spätestens seit Microsofts Windows 3.1. Hier bietet sich aber zumindest im übertragenen Sinne ein Blick hinaus – in die Welt von Bits und Bytes. Chapeau, Mr. Gates! Auch dafür, dass man mehrere Fenster gleichzeitig öffnen kann. Für den sprachlichen Hausbau jedoch ist zu empfehlen: einmal kurz verbales Stoßlüften und dann Fenster zu, Affe tot.