Disput

Making of: Bundesparteitag

Kolumne

Von Matthias Höhn

Am Nachmittag des 29. Mai wird der neue Parteivorstand komplett gewählt sein, unser Parteitagswochenende in Magdeburg geht mit dem traditionellen Singen der »Internationale« zu Ende. Kurz vorher stehe ich noch einmal auf der Bühne und bedanke mich bei vielen Menschen, bei Firmen und bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Karl-Liebknecht-Hauses. Das ist weit mehr als ein eingeübter Akt der Höflichkeit. Es gilt, denjenigen zu danken, die teilweise über Monate dafür gearbeitet haben, dass so ein Parteitag reibungslos funktioniert und auch immer ein Erlebnis ist für Delegierte, Gäste und Besucher.

Bereits über ein Jahr vor einem Parteitag geht die Suche nach einem geeigneten Ort los. Dabei müssen der politische Kalender des Jahres, die Finanzierbarkeit wie auch eine regionale Ausgewogenheit bedacht werden. Das bedeutet für den Kopf des Organisationsbüros: Reisen, einige Optionen und am Ende – eine Entscheidung. Die folgenden Monate gehen mit Verträge checken, jeder Menge Beratungen und viel Arbeit ins Land.

Bis zum Beginn der heißen Phase vor einem Parteitag laufen dann einige Dinge im Hintergrund parallel. Die inhaltliche Planung in den Gremien der Partei beginnt: Thema, Schwerpunkte, Leitanträge. Agentur und Produktionsfirma basteln kreativ an ersten Bühnengestaltungen und Einbauten, in den Landesverbänden läuft die Wahl der Delegierten an.

Fünf, sechs Monate vor dem Parteitag trifft sich im Karl-Liebknecht-Haus, in dann immer kürzeren Abständen, das Organisationsbüro. Hier sitzen alle beteiligten Bereiche zusammen, planen Hand in Hand und gemeinsam alles bis in die Details durch: wie lange dauern Wahlgänge, wieviel Blatt Papier werden benötigt, was wäre ein schönes Geschenk auf den Tischen der Delegierten, sind alle räumlichen Bereiche des Parteitagsobjektes auch barrierefrei, wie lassen sich die Arbeitsbedingungen für die Medien optimal gestalten, was wird an Kultur geboten – jenseits der Debattenkultur …

Eine willkommene Verschnaufpause auf einem Parteitag zwischen Wahlen und Antragsbehandlung bietet immer der »Markt der Möglichkeiten«, auf dem sich die Partei, Fraktionen aus Land, Bund und Europa, die Stiftung und viele befreundete Vereine und Verbände präsentieren. Hier ist es manchmal schwer, den vorhandenen Platz und all die Angebote unter einen Hut zu bekommen – klar aber ist immer, dass wir uns nicht an überzogenen Standmieten das Konto aufbessern oder unseren Markt zur Werbeveranstaltung von zum Beispiel Automobilherstellern verkommen lassen. So haben bei uns auch kleine, gute Projekte ihre Bühne.

Größere Projekte sind immer die Leitänträge an den Parteitag – fristgerecht veröffentlicht sind sie die inhaltliche Diskussionsgrundlage … und wir diskutieren ja oft und gern, bei der LINKEN. Mit den eingegangenen Änderungsanträgen beschäftigt sich die Antragskommission, sortiert, fasst zusammen, gibt Empfehlungen – und arbeitet in diesem Jahr erneut quer durch die Pfingstfeiertage. Respekt.

Weil wir zwischen guten Arbeitsbedingungen für Medien und fairer Berichterstattung einen kleinen Zusammenhang sehen, wird jedes Detail der Produktion mit den Rundfunk- und Fernsehanstalten vorher besprochen – damit wir perfekt in Szene gesetzt werden können. Unser optisches Angebot an die Medien ist dabei immer unsere Bühnengestaltung, modern, innovativ. Die diversen Leinwände zu »bespielen«, darum kümmert sich unsere Regie, unsere eigenen Kameraleute haben teils Wochen vorher sogenannte Einspieler gedreht. Und damit nicht nur die Menschen im Saal was davon haben, spielt unsere Online-Redaktion alles via Livestream ins Internet. Schon bald sind dann dort auch die Reden zu lesen, Ergebnisse zu erfahren.

Natürlich passiert im Kleinen noch viel mehr: vom Ausgeben der Delegiertenmaterialien über Erste Hilfe bei kleineren und größeren Missgeschicken bis zur Betreuung unserer ausländischen Parteifreunde und Gäste. Und wenn alles gelaufen ist, alle auf dem Weg nach Hause sind, mischt sich in die Erinnerung an Magdeburg bereits der erste Gedanke an den kommenden Parteitag.