Disput

Da draußen

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Zu heiß oder Regen – auf jeden Fall Wetter zum drin bleiben, hinter den Scheiben, hinter der Fassade. In mich gekehrt heute die Nachrichten über In-Ear-Kopfhörer. »Das müssen wir den Menschen da draußen deutlicher vermitteln«, spricht ein Staatsmann von Format. In meinem Kopfkino räumt Roland Emmerich auf: Wolkenkratzer, Straßen und Berge stürzen in die gigantische Schlucht, die sich auftut zwischen dem Staatsmann und den »Menschen da draußen«.

»Menschen da draußen« – da läuft die Assoziationskette heiß und springt letztlich vom Lager. Die Häufigkeit, mit der diese dumme Wortstanze im Sprachgebrauch des Homo professionalis politicus auftaucht, korrespondiert auffällig mit dem Mehrheitsgefühl der Bevölkerung, nicht mehr von der Regierung verstanden zu werden. Im inneren Kreis der Macht, analog dem achten Kreis der Hölle nach Dante, rauft man sich die Haare, grübelt, rätselt … ob des Unbills der Regierten. Wie nur wie verlor man ihre Gnade? Irgendein schlauer Insasse erhellt dann den Geist der anderen: Nicht wir sind doof – hinter Glasfassaden und oben im elfenbeinernen Turm. Die anderen sind es, die »Menschen da draußen«.

Im Grundkurs Kommunikation für Primaten lernt man noch vor der Begrüßung, dass der Sprecher verantwortlich ist für das, was beim Hörenden ankommt. Freunde, Römer, Bürgerinnen, Wählerinnen – sogar »unsere Menschen« –, eignen sich als gelungener Auftakt für einen sinnhaften Austausch. Als »Mensch da draußen« jedoch fühlt man sich nicht zum Mitspielen eingeladen. Da draußen findet mensch dann schnell »die da oben« ganz schlimm. Und schon ist die Kluft Mariannen-Graben-tief. Miteinander reden statt übereinander – soll helfen

Ich geh jetzt raus. Das muss drin se