Disput

Mit viel Lust

Zu Wahlkampf und Wahlzielen in Mecklenburg-Vorpommern: LINKE-Spitzenkandidat Helmut Holter

Euren Wahlkampf habt ihr direkt am Leuchtturm in Rostock-Warnemünde begonnen. Was signalisieren denn die Positionslichter der LINKEN im Norden?

Mecklenburg-Vorpommern ist ein gespaltenes Land: sozial, regional, digital. Der Strich zwischen Mecklenburg und Vorpommern wird im Osten als Trennungsstrich  empfunden. Wir wollen verbinden statt trennen. Wir wollen, dass alle Menschen im Land die gleichen Chancen haben. Das ist ein großer Schwerpunkt. Der Osten des Landes muss insgesamt stärker unterstützt werden. Dazu schlagen wir für strukturschwache Räume, sogenannte ländliche Gestaltungsräume, unter anderem ein Regionalbudget vor: 50 Millionen Euro pro Jahr. Mit dem Geld sollen die Menschen, Initiativen, Vereine und Verbände vor Ort eigenverantwortlich umgehen können, denn sie wissen am besten, wo ihre Potenziale liegen.

Wie sieht die Diskrepanz zwischen Mecklenburg und Vorpommern konkret aus?

In Vorpommern sind mehr Menschen arbeitslos, und die Menschen sind länger arbeitslos. Die Menschen sind länger krank, und leider sterben die Menschen im Osten des Landes auch früher. Die Wirtschaftskraft ist schwächer, die Verkehrserschließung und die Verkehrsanbindungen sind schlechter. Die Menschen in Vorpommern fühlen sich durch die Landesregierung nicht nur vernachlässigt und in Teilen abgehängt, sie sind es auch. Das muss verändert werden.

Ein weiteres großes Thema: Obwohl viel Geld in die Kindertagesstätten fließt, steigen die Elternbeiträge und auch die Belastungen der Kommunen. Deswegen wollen wir schrittweise für alle Eltern das kostenfreie Kita-Jahr einführen, was nicht zu Lasten der Kommunen gehen darf. Riesige Probleme gibt es in der Pflege: Viele Ältere sind auf Pflege angewiesen, aber wir haben zu wenig Personal, auch weil die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen nicht stimmen. Wir wollen in der nächsten Legislaturperiode die Voraussetzungen dafür schaffen, dass 2.500 Auszubildende den Pflegeberuf ergreifen und perspektivisch eine Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern finden. Dazu gehört unter anderem, dass die Ausbildung an den Pflegeschulen für die angehenden Pflegekräfte kostenfrei sein muss. Gute Arbeit, gute Bildung, gute Rente – diese Forderungen gehören selbstverständlich auch bei uns zum »Standardprogramm«.

Anders als in früheren Wahlkämpfen sagt ihr in Bezug auf mögliche Regierungsaussichten: »Wir mischen keine Farben. Wir setzen auf Rot«.

Wir setzen auf Veränderungen. Unser Land braucht dringend einen neuen Aufbruch und ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit. Dieser Aufbruch kann nur mit uns gelingen. Wir wollen dabei der Motor sein und Tempo machen – Tempo machen auf der Überholspur, und die ist bekanntlich links. Dazu laden wir die Wählerinnen und Wähler ein.

Vor dem Wahltag geht es aber nicht um Regierungskonstellationen. Deswegen greife ich nicht in die Farbpalette und mische mir irgendwelche Koalitionen zusammen. Jetzt geht es darum, am 4. September viel Rot, eine starke LINKE zu erreichen.

Ja, wir sind offen für Regierungsbeteiligung. Und wer Veränderung will, muss die Große Koalition abwählen. Rot-Rot-Grün oder Rot-Rot können eine Alternative sein. Aber noch einmal: Darum geht es jetzt nicht. Jetzt geht es um eine starke LINKE, die die Gesellschaft verändert.

Viele schauen mit Blick auf das Abschneiden der AfD mit Sorge auf die Landtagswahl. Wie erlebst du die Bereitschaft der Mitglieder, der Sympathisantinnen und Sympathisanten der LINKEN, jetzt erst recht einen aktiven Wahlkampf zu führen?

Wir haben uns gut auf den Wahlkampf vorbereitet. Bereits am 4. September 2015 wurden die Wahlstrategie und ich als Spitzenkandidat vorgestellt. Damit haben wir ein Angebot gemacht. Unser Slogan »Aus Liebe zu Mecklenburg-Vorpommern« beinhaltet viel Politik: Wir wollen die Wählerinnen und Wähler auf der emotionalen Ebene und direkt ansprechen, nicht mit dem klassischen »Politik-Sprech«. Und in dem Wort Liebe steckt ja Solidarität, Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit. Das wollen wir vermitteln. Jede und jeder würde alles geben, alles tun, wenn sie und er jemanden liebt. Und das wollen wir für Mecklenburg-Vorpommern machen. So drücken wir unseren politischen Grundsatz aus.

Die Partei ist hoch motiviert, sie hat sich hinter mir als Spitzenkandidat und hinter Heidi Bluhm als Landesvorsitzende versammelt. Die Partei hat Lust auf Wahlkampf. Und jetzt machen wir rund um die Uhr Wahlkampf.

Was macht euren Wahlkampf 2016 aus? Welche Unterschiede in der Form gibt es zu früheren Wahlkämpfen?

Wir machen vieles anders: Wir haben eine Agentur aus Rostock. In der Präsentation nehmen wir unser Design, das versteht sich von selbst, aber wir verbinden unsere Inhalte mit mir als Spitzenkandidaten und präsentieren auch alle Direktkandidaten mit Großflächen, das ist neu. Wir verzichten auf Flyer. Stattdessen haben wir ein Ringbuch herausgegeben: mit Informationen über alle Kandidatinnen und Kandidaten, mit Wahlinhalten und einem kleinen Wahl-ABC als Hilfe für die Bürgerinnen und Bürger.

Und wir haben uns für eine andere Art der Ansprache entschieden. Wir wollen mit viel Lust, mit viel Kultur die Mecklenburger und Vorpommern bei ihrer Identität erreichen und Zukunftsthemen ansprechen. Unsere Zukunftsprojekte sind unsere Schlager im Wahlkampf, weil die Menschen mit Blick auf die Zukunft Angst und Sorgen haben und wir ihnen diese nehmen wollen.

Wagst du einen Tipp zum Wahlergebnis der LINKEN?

Wir werden stärker als 2011, als wir 18,4 Prozent erreichten. Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen.

Interview: Stefan Richter