Disput

Krunoslav, was ist für Dich europäisch?

Krunoslav Stojakovic, geboren 1978, aufgewachsen im Ruhrgebiet und politisch aktiv in verschiedenen, vor allem antifaschistischen Zusammenhängen, ab März 2017 Leiter des Belgrader Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Krunoslav, was ist für Dich europäisch?
Europäisch ist für mich das Bewusstsein, dass Europa mehr ist als die Europäische Union. Das bedingungslose Eintreten für ein solidarisches, soziales und antifaschistisches Europa ist europäisch, die ökonomische Knebelung und Rücknahme errungener Arbeiter- und Arbeiterinnenrechte durch die Institutionen der Europäischen Union aber ist antieuropäisch.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Der plötzliche Erfolg des Buches »Rückkehr nach Reims« von Didier Eribon hat mich insofern überrascht, als dass dieses Buch schon 2009 in Frankreich erschienen ist, jedoch nahezu niemand darüber gesprochen hat bis zur deutschen Übersetzung. Doch besser spät als nie.

Was ist für dich links?
Solidarität und Empathie.

Wovon träumst du?
Hmhm, also ich finde, dass Rudi Schulte aus dem gleichnamigen Lied von Franz-Josef Degenhardt einen sympathischen Traum hatte: Ich fahre mit einer großen, roten Lok durch die große Sowjetunion; bis zum Roten Platz, da heulen die Sirenen, und auf der Kremlmauer lehnt Genosse Lenin und sagt: »Hasse gut gemacht!«

Wofür gibst du gern Geld aus?
Für alles, was unvernünftig ist.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Heldenverehrung ist nichts, was mir besonders attraktiv erscheint, aber die Anerkennung historischer Leistungen von Persönlichkeiten ist sicherlich etwas, was politischen Halt und Motivation geben kann.

Mit wem lachst du besonders gern?
Mit Freunden über alles, insbesondere aber über den Humor des Ruhrgebiets und Bosnien-Herzegowinas.

Wovor hast du Angst?
Vor einer Widerkehr des Faschismus in Europa. Finde, diese Angst ist nicht unbegründet.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?

Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Wie die Kölner zu sagen pflegen: »Et hätt noch emmer joot jejange«.