Disput

Maske fallen lassen

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Frühstück mitten im Winter: Ich ziehe den Strickpudel von der Kaffeekanne und schenke ein. Im Radio die Nachrichten und ich höre: »… hat endgültig die Maske fallen lassen.« Hoffentlich ist sie dabei nicht kaputtgegangen, denke ich und schaue auf den Kalender, richtig: Karneval, Fasching oder wie der regional begrenzte Wahnsinn sonst noch heißt, ist für dieses Jahr bereits gelaufen. Am Rhein ist wieder Ruhe, doch die Maske hat weiter Konjunktur.

Wenn jemand »die Maske fallen lässt«, meint dies, dass dieser Jemand aufhört, sich zu verstellen, seine Täuschung beendet und nun seinen wahren Charakter offenbart. Sein wahres Gesicht zeigt – sozusagen.

Während sich rein emotional zum Beispiel mit »die Hüllen fallen lassen« etwas hoffnungsvoll Positives verbindet, so geht es bei der fallengelassenen Maske in aller Regel um etwas real Negatives. Aufgebautes Vertrauen wird mit einem Schlag zerstört, eine bisher angenommene gemeinsame Basis (aufgemerkt: wir bleiben im Sprachbild!) »entpuppt« sich als Falltür, alles Bisherige war nur gespielt und vorgetäuscht … Aus der verständlichen Enttäuschung resultiert die Worthülsen-Fortsetzung von der »Fratze«, die dann in diversen erläuternden Zuschreibungen unter der gefallenen Maske zum Vorschein kommt. Ja, ja, unsere Sprache ist entlarvend.

Und in einer Welt, in der man sowieso nichts Gutes erwarten darf, ist es doch dann um Längen besser, gleich selbst aktiv zu werden: »Jemandem die Maske vom Gesicht reißen« – den Anti-Christo machen und etwas enthüllen – dafür gibt es Bonuspunkte auf dem Helden-Konto bei der Spaßkasse. Das macht allerdings das Offenbarte nicht schöner – immerhin aber war man vorbereitet, das lindert die Enttäuschung.

Etwas Lebenshilfe noch zum Ende: Vor Betreten einer Bank den Motorradhelm abnehmen.