Disput

People of the other shore

Mit seinen Fotos porträtiert Aymen Omrani Familien von auf dem Mittelmeer vermissten Migrantinnen und Migranten aus Tunesien

Von Franziska Albrecht

Viele Tunesierinnen und Tunesier haben in den vergangenen fünf Jahren versucht, Europa auf irregulärem Weg über das Mittelmeer zu erreichen; nicht wenige gelten heute als vermisst. Diese Menschen und die Gründe für ihre Migration müssen durch ihre Angehörigen individuell repräsentiert werden, nicht durch bloße Zahlen in den Abendnachrichten.

Der aus dem Norden Tunesiens stammende Fotograf Aymen Omrani hat sich dieses Themas angenommen. Zuvor Regieassistent beim Film und Schauspieler, widmet er sich seit 2008 verstärkt der Fotografie und dem Fotojournalismus, so arbeitet er unter anderem an langfristigen Fotoprojekten in unterschiedlichen arabischen Ländern. Aymen Omrani engagierte sich auch als Freiwilliger im tunesischen Flüchtlingslager Choucha an der libyschen Grenze.

Eine Ausstellung mit Fotos von Aymen Omrani zeigt den Alltag von 22 Frauen, die auf ihre Söhne oder Männer warten – vermisst und von den Behörden und starren Grenzen vergessen. Diese Frauen, gezeichnet von Wut und Müdigkeit, haben den Glauben verloren, sie haben weder Vertrauen in die Versprechungen der Behörden noch in die der Fotografen. Dennoch haben sie Aymen Omrani eine Annäherung gestattet und es so ermöglicht, die Mauer aus Angst und Vorurteilen zu überwinden.

Die Ausstellung »People of the other shore« (Menschen des anderen Ufers) wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tunis gemeinsam mit dem Tunesischen Forum für ökonomische und soziale Rechte (FTDES) initiiert. FTDES arbeitet seit Jahren mit den Familien vermisster Migrantinnen und Migranten zusammen. Auch auf ihren Druck hin nahm am 5. Juni 2015 in Tunesien eine Untersuchungskommission ihre Arbeit auf. Die Forderungen an sie sind breit, sie reichen von der Untersuchung gesunkener Boote, bei denen der Verdacht besteht, dass sie versenkt wurden, bis zur Aufklärung des Verbleibs von in Europa vermissten Tunesierinnen und Tunesiern.

Die Ausstellung wurde erstmalig im Sommer 2015 im Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tunis und im Herbst 2015 im Foyer der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin gezeigt. Im ersten Halbjahr 2016 wird die Ausstellung auf Reisen gehen und unter anderem im Info-Café des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Berlin sowie in Zusammenarbeit mit Linksfraktionen und RLS-Landesstiftungen in Magdeburg und Dresden zu sehen sein.

Wenn Sie die Ausstellung zeigen möchten, melden Sie sich bitte bei Verena Liebel, Afrika-Referat der Rosa-Luxemburg-Stiftung (liebel@rosalux.de).

Franziska Albrecht war bis Ende 2015 Projektmanagerin Nordafrika und ist jetzt Projektmanagerin im Europa-Referat der Rosa-Luxemburg-Stiftung.