Disput

Renate, was war dein erster Berufswunsch?

Renate Schiefer, 56, lebt in Puchheim bei München, ist Sprecherin des LINKE-Kreisverbandes Amper und aktiv in der Erwachsenenbildung und Alphabetisierung, ihre Schwerpunkte: Antikrieg und politische Bildung, ihre Hobbys: Musik, Singen, Berge.

Renate, was war dein erster Berufswunsch?
Ich wollte Müllfrau werden. Zwar gab's nur Müllmänner, aber die durften am Auto draußen stehend mitfahren und haben sich nur mit einer Hand festgehalten. Das fand ich cool.

Was ist für dich links?
Soziale Gerechtigkeit, keine Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur, keinen Krieg und inneren Frieden und echte Demokratie anzustreben und langfristig zu sichern. Dazu brauchen wir viele kleine Schritte und die Verteidigung von Arbeiter- und von demokratischen Bürgerrechten, aber auch den Willen und Mut zu einem großen Schritt, zum Systemwechsel, zu Sozialismus.

Wenn du Parteivorsitzende wärst ...
Da tausche ich lieber nicht; ich finde, die machen das prima.

Was regt dich auf?
Die Wirkung der Manipulationen in den Köpfen vieler durch die falschen Worte, die Lügen oder Halbinformationen der Mächtigen und Medien. Ganz einfache Wahrheiten und Einsichten, unwiderlegbare Argumente (unsere) kommen erst mal nicht an. Die verlogenen, menschenverachtenden Rechtfertigungen für Militarismus und Kriege, aber auch der irrationale Wachstumsglaube, die Überzeugung, der Mensch müsse naturbedingt dem Menschen ein Wolf sein, es gäbe keine Alternative zum Kapitalismus. Und besonders regen mich Intoleranz und Diffamierungen innerhalb der Linken, nicht nur der LINKEN auf. Antisemitismusvorwürfe gegen verdiente Linke! So kommen wir nicht weiter.

Wovon träumst du?
Von einer Gesellschaft, in dem wir Zeit füreinander und für kluge und spaßige Dinge haben, in der wir gerne arbeiten, ohne uns kaputtzurödeln, in der das viele Grauen und Unrecht, das tagtäglich weltweit vom Westen angerichtet wird, wiedergutgemacht wird.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Für Konzerte und Bücher.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?
Na, das hab ich schon lange aufgegeben.

Vaterland, Mutterland, Deutschland – wie gern lebst du hier?
Ich war viel im Ausland, wollte unbedingt weg. Inzwischen weiß ich, dass ich hier mehr bewirken und machen kann, und das gefällt mir.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Helden nein, Vorbilder ja. Menschen mit Zivilcourage und Hirn. Die sind oft gar nicht so berühmt.

Wen oder was würdest du mit auf eine Insel nehmen?
Musik! Schostakowitsch muss ich hören. Hoffentlich gibt's da Strom.

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in deinem Leben?
Eine sehr große, ich habe Literatur studiert. Ohne Kunst und Kultur, wobei das nicht immer nur die bürgerliche Hochkultur sein muss, ohne Phantasie und Kreativität kann eine Gesellschaft nicht menschlich sein, sind wir keine ganzen Menschen.

Worüber lachst du besonders gern?
Ich liebe Polemik und Sprachwitz, Robert Gernhardt, F. K. Wächter – die alten Haudegen halt, Wiglaf Droste. Und die derben Witze in der »Titanic«.

Wovor hast du Angst?
Vor Gewalt und Krieg.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?
Das Herz am rechten linken Fleck und Humor.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Wat mutt, dat mutt!