Disput

Zuhören und andere begeistern

Kerstin Eisenreich: Platz 9 der Landesliste Sachsen-Anhalt und Direktkandidatin im Wahlkreis 39 (Merseburg)

Frühjahr 2013: Die schwarz-rote Koalitionsregierung in Sachsen-Anhalt beschließt drastische Einsparungen bei den Hochschulen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen jährlich fünf Millionen Euro gekürzt werden. Als damals befristet angestellte Vertretungsprofessorin für Übersetzen und Dolmetschen an der Hochschule Magdeburg-Stendal bin ich zusammen mit den Studierenden in Magdeburg auf die Straße gegangen, um gegen diese Pläne zu protestieren. Was mich auch aufgebracht hat, war der Vollstreckungsgehorsam mancher Hochschulen, die damit ihre eigene Autonomie aufgaben. Hatte doch der nach dem Rauswurf der Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Dr. Birgitta Wolff neue Minister Hartmut Möllring (CDU) die Devise ausgegeben, kleine und seltene Studiengänge abzuschaffen. Und das betraf dann die Übersetzer- und Dolmetschstudiengänge, in denen ich selbst Studierende auf die interkulturelle Fachkommunikation vorbereitete. Die Hochschule hatte schon das Aus für diese Studiengänge geplant. Während der Proteste wurde mir bewusst, dass mit ihnen manches bewegt werden kann. Aber ich wollte dabei nicht stehenbleiben, sondern wollte mich nach vielen Jahren Enthaltsamkeit wieder politisch engagieren und Verantwortung übernehmen.

Daher habe ich im Herbst 2013 auf die Frage nach einer möglichen Kandidatur für DIE LINKE zu den Kommunalwahlen 2014 kaum gezögert.

Warum ausgerechnet für DIE LINKE? In ihren Zielen und ihrer Programmatik habe ich meine Vorstellungen und Grundhaltungen wiedergefunden. Keine andere Partei tritt so konsequent für Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Menschlichkeit und ein solidarisches Miteinander ein. Nur DIE LINKE verurteilt mit aller Entschiedenheit Krieg, Zerstörung und Ausgrenzung. Dies war für mich entscheidend und mein Eintritt in diese Partei die folgerichtige Konsequenz.

Durch meinen Einzug in Ortschaftsrat, Gemeinderat und Kreistag im Saalekreis absolviere ich seit Juli 2014 einen Intensivkurs in Kommunalpolitik. Linke Positionen hier durch- und umzusetzen ist nicht immer leicht, und es bedarf viel Ausdauer und Durchstehvermögen. Ich habe dabei gelernt, mich auch an kleinsten Erfolgen zu erfreuen und diese als Ansporn zum Weitermachen zu sehen. Eine große Unterstützung sind mir erfahrene Fraktionskolleginnen und -kollegen, die ich jederzeit mit meinen Fragen löchern kann.

Dank meiner Unerfahrenheit war ich von Anfang an gezwungen, vor allem gut zuzuhören. Was zunächst für mich wie ein Nachteil aussah, erweist sich zunehmend als Vorteil. Denn auch weiterhin ist es mir wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Sorgen und Nöte der Menschen und Kommunen im Saalekreis sind sehr vielfältig. Auch wenn aktuell die Flüchtlingspolitik im Fokus steht und die Gesellschaft polarisiert, so sorgen sich Bürgerinnen und Bürger um Bildung, Kürzungen im Kinder- und Jugendbereich. Sie beklagen Mängel beim öffentlichen Personennahverkehr, bei Barrierefreiheit und vieles mehr. Sie fühlen sich von Politikern unverstanden und im Stich gelassen und damit ihrer demokratischen Mitbestimmung im täglichen Leben beraubt.

Die meisten Probleme werden auf kommunaler Ebene nur noch verwaltet. Daher sehe ich erheblichen Handlungsbedarf auf Landesebene. Dort sind viele wichtige gesetzliche und finanzielle Grundlagen dafür zu schaffen, dass Kommunen wieder handlungsfähig werden. Die Defizite in Sachsen-Anhalt sind immens. Deshalb habe ich mich um ein Landtagsmandat beworben: Ich will auf Landesebene gemeinsam mit den Fraktionskolleginnen und -kollegen dafür streiten, dass wir endlich wieder vor Ort zu Investitionen in der Lage sind, dass viele Menschen davon profitieren und vor allem auch Benachteiligten und Abgehängten Perspektiven und Chancen geboten werden, sich zu entfalten und am sozialen Leben zu beteiligen anstatt von staatlich reglementierten Almosen, genannt Hartz IV, abhängig zu sein.

Ich bin überzeugt davon, dass wir als LINKE in Sachsen-Anhalt mit Engagement, Sachverstand und Selbstbewusstsein viel erreichen können. Dafür mache ich mich stark und will andere begeistern.