Disput

!No pasarán!

Fast achtzig Jahre nach dem Beginn des Spanischen Bürgerkrieges ist ein lange überfälliges Buch erschienen

Von Ronald Friedmann

»Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution« nannten die Autoren Werner Abel und Enrico Hilbert im Untertitel ihr großvolumiges Buch, mit dem sie fast achtzig Jahre nach dem Beginn des Bürgerkrieges im Sommer 1936 eine seit Jahrzehnten vorhandene Lücke in der wissenschaftlichen Forschung zu schließen versuchen. In jahrelanger mühseliger Arbeit werteten sie, unterstützt lediglich vom Verein »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939«, die unterschiedlichsten Quellen aus, um endlich jene Deutschen namhaft zu machen, die als Spanienkämpfer, in der Mehrzahl der Fälle mit der Waffe in der Hand, fernab der Heimat einen ganz besonderen Beitrag zum Kampf gegen den Faschismus geleistet haben. Abel und Hilbert, beide von Haus aus keine Historiker: der eine Philosoph im Ruhestand, der andere Krankenpfleger, gingen ohne ideologische Scheuklappen an ihr Vorhaben. Für sie spielte keine Rolle, ob ein Spanienkämpfer Kommunist oder Anarchist war und welchen politischen Weg er in den Jahren nach dem Spanischen Bürgerkrieg ging. Genau an diesem Problem waren alle vorsichtigen Versuche in der DDR gescheitert, ein vergleichbares Projekt auf den Weg zu bringen. (In der Bundesrepublik gab und gibt es von offizieller Seite bis heute kein Interesse, die deutschen Spanienkämpfer in angemessener Art und Weise zu würdigen.)

Rund 4.500 Männer und Frauen werden von Abel und Hilbert aufgelistet. Allerdings ist ihnen nicht in allen Fällen der Nachweis gelungen, dass die genannten Personen überhaupt in Spanien waren, wiederholt heißt es deshalb: »Vermutlich Angehöriger der Internationalen Brigaden« oder auch nur: »Soll in Spanien gewesen sein«. Insbesondere in solchen Fällen, in denen eine im Buch genannte Person vor dem Aufenthalt in Spanien außerhalb Deutschlands – und zwar nicht als Emigrant – gelebt hatte, bleibt unklar, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgte. So bleiben die Deutsch-Amerikaner, eine zahlenmäßig nicht unbeträchtliche Gruppe, komplett unberücksichtigt. Ein Blick in das zwischen 1937 und 1939 in New York von Stefan Heym herausgegebene »Deutsche Volksecho« hätte genügt, um diese Lücke zu schließen.

Schlimmer noch sind Fälle, in denen biografische Angaben ungeprüft aus dritten Quellen übernommen wurden. Aus Gerhart Eisler zum Beispiel wurde so kurzerhand der »Leiter der GRU in den USA«, eine Funktion, die er niemals innehatte, die ihm von seiner Schwester Ruth Fischer bereits 1944 ohne die Spur eines Beweises zugeschrieben wurde und die seither durch die Literatur geistert.

Es bleibt schließlich die Frage, warum die Autoren und der Verlag nicht auf modernere Mittel der Publikation zurückgegriffen haben. Vorstellbar wäre gewesen, den gesamten Datenbestand auf einer CD zu veröffentlichen, wie das zum Beispiel bereits 2007 mit dem »Biographischen Handbuch zur Geschichte der Kommunistischen Internationale« erfolgreich praktiziert wurde.

Hilbert und Abel wollten, durchaus verständlich, mit ihrem Buch rechtzeitig zum 80. Jahrestag der Internationalen Brigaden im Oktober 2016 auf dem Markt sein. Sie hätten die verbleibenden Monate für eine kritische Durchsicht ihres Materials nutzen sollen. Für den angekündigten 2. Band, eine Sammlung von Dokumenten und Fotos, sollten sie sich mehr Zeit lassen.

Werner Abel und Enrico Hilbert
Sie werden nicht durchkommen!
Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution (Band 1)
Verlag Edition AV, Lich (Hessen) 2015
ISBN 978-3-86841-112-6, 570 Seiten, 45 Euro