Disput

Kevin, was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?

Kevin Kulke, Jahrgang 1988, hat Politik- und Verwaltungswissenschaft und Sozial- und Kommunikationswissenschaft studiert, war in AStAs und Beisitzer für die Linksjugend ['solid] im Landesvorstand Baden-Württemberg. Er arbeitet in einem Abgeordnetenbüro.

Kevin, was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?

Der Brexit. Ich hätte das nie für möglich gehalten und bin wirklich sehr traurig über diese Entscheidung.

Was ist für dich links?

Den Menschen die Kraft, die Mittel und den Raum zu geben, ihr Leben nach der eigenen Fasson in Freiheit gestalten zu können. Den Menschenfeinden entgegenzutreten und die offene Gesellschaft mit Klauen und Zähnen zu verteidigen.

Wovor hast du Angst?

Dass Europa zerbrechen könnte. Dass vor lauter bigotter Ignoranz und Hartherzigkeit diese nie zuvor dagewesene Chance auf ein geeintes Europa einfach in den Mülleimer der Geschichte geworfen wird. Aber auch vor dem Rechtsruck in Deutschland und den anderen europäischen Ländern, die genau dieses Auseinanderbrechen befeuern würden.

Worin siehst du deine größte Stärke, deine größte Schwäche?

Ich kann sehr geil seitlich einparken. Meine größte Schwäche ist wahrscheinlich, dass ich manche Dinge nicht mit dem notwendigen Ernst betrachte.

Was war dein erster Berufswunsch?

Wildhüter in Namibia.

Wenn du Parteivorsitzender wärst ...

... würde ich austreten. Einer Partei, die so kaputt ist, dass sie mich zum Vorsitzenden wählt, möchte ich nicht angehören.

Vaterland, Mutterland, Deutschland – wie gern lebst du hier?

Ich sag’s mal diplomatisch: Es gibt schlimmere Länder, in denen man leben könnte. Aber mein britisches Herz, mein skandinavischer Teint, mein australisches Gemüt und meine kosmopolitische Überzeugung ziehen mich generell dorthin, wo die Sommer kürzer, die Winter härter, die Menschen trinkseliger sind und das Fernsehprogramm besser ist.

Müssen Helden und Vorbilder sein?

Meine sind Jack London, Herbert Wehner, und ein kleines bisschen Ernest Hemingway, aber seien wir ehrlich, der Typ hatte einen Frauenbild, für das hätte sich sogar Konrad Adenauer geschämt.

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in deinem Leben?

Generell eine große. Es gibt so viel Musik, Filme und Literatur, die ich verehre. Ohne Albert Camus‘ Romane hätte ich mein Studium womöglich nicht überstanden. Ohne Metal wahrscheinlich nicht mal die Pubertät.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?

Humor und politisch denken zu können, Strategien zu entwickeln, Gemeinsamkeiten zu finden und mehrheitsfähig zu machen. Und mal Fünfe gerade sein lassen zu können. Man sollte Leidenschaft nicht mit Verbissenheit verwechseln.