Disput

Ermutigend

Das Frauenzentrum Lilith in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) gewinnt den Clara-Zetkin-Frauenpreis 2016

Von Antje Schiwatschev

Auch in diesem Jahr fiel der Jury die Entscheidung nicht leicht – sie musste aus einer Vielzahl von tollen Projekten und Initiativen, die sich für den Clara-Zetlin-Frauenpeis beworben hatten, auswählen. Und dennoch waren sich die fünf Jury-Mitglieder schnell einig: Der Frauenpreis der LINKEN 2016 ging an das Frauenzentrum Lilith aus Halberstadt. Die Initiative wurde für ihr Empowerment (Ermächtigung) und die vielen queerfeministischen Projekte im ländlichen Raum geehrt. 1991 als Unabhängiger Frauenverband Landkreis Harz e.V. gegründet, versteht sich der Verein als Bestandteil einer weltweiten Frauenbewegung, die sich für die Überwindung unterdrückender Herrschafts- und Denkstrukturen und für eine sozial gerechte, gewaltlose, demokratische, ökologisch stabile und multikulturelle Welt einsetzt. Eröffnet wurde das Frauenzentrum in Halberstadt 1992, damals noch namenlos. Seitdem bietet es Frei- und Schutzraum für Mädchen sowie Begegnungs- und Kontaktmöglichkeiten für Frauen und Mädchen unterschiedlicher Nationalitäten, Altersgruppen, sozialer Schichten und Lebensweisen. Gerade im ländlichen Raum ist es eine wichtige und schwierige Aufgabe, sich als Frauenzentrum mit Empowerment und vielen Angeboten etablieren und halten zu können.

Von den eingereichten Projekten wurden sechs nominiert, die stellvertretend für alle das Engagement hinter jedem einzelnen Projekt verdeutlichen sollen. Sei es die multikulturelle Plattform für politischen, queerfeministischen, schriftlichen und künstlerischen Ausdruck von »Coven Berlin – feminist conqueerors« oder der »Mädchenjahreskalender«, der bereits zum dritten Mal in Folge durch eine Gruppe aus sechs inzwischen um die 18-jährigen Mädchen herausgegeben wurde. Ebenso wichtig ist der Kampf für die Quote. Vorgestellt wurde deshalb »Pro Quote Regie e.V. Berlin«. Als »Druckmittel« für eine bessere Quote im Medienbereich schlug Gesine Lötzsch vor, künftig den GEZ-Beitrag in der prozentualen Höhe zu entrichten, die dem Anteil von Frauen in der Regie entspricht – diese Idee rief beim Publikum großen Applaus hervor. Die Situation von Transgender- und Intermenschen ist das Thema des Projektes »RosaLinde e.V.« in Leipzig. Gerade Trans*frauen sind häufig von Mehrfachdiskriminierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen. RosaLinde Leipzig e.V. bietet explizit psychosoziale Beratung für Trans*Personen an.

Aufgrund der öffentlichen Debatte über Sexismus und Rassismus hat sich die Jury in diesem Jahr entschieden, eine weitere Auszeichnung zu vergeben. Sie ehrte die Aktivistinnen der Initiative »#ausnahmslos« mit dem Preis für Politische Intervention. Viele Unterstützer/innen, darunter Anne Wizorek, eine Mitinitiatorin der ‪»#‎aufschrei«-Kampagne, haben sich nach den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln zu Wort gemeldet und mit »#ausnahmslos« in die Debatte eingegriffen. #ausnahmslos« sind Feminist*innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und mit unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkunft, die sich gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus einsetzen. Innerhalb kürzester Zeit haben 11.000 Menschen ihren Aufruf »#ausnahmslos« unterstützt und damit ein deutliches Zeichen gesetzt.

Die zahlreichen Bewerbungen um den Clara-Zetkin-Frauenpreis der LINKEN zeigen, dass die Frauenbewegung entgegen vielfältiger Behauptungen nicht tot ist, auch wenn das so mancher gehofft hat. Nein, sie hat sich verändert, sie ist bunter, vielfältiger und queerer geworden – und vor allem ist sie noch da.

Anlass für die Preisverleihung sind auch die noch immer schwierigen Themen: Patriarchat, Homophobie und Sexismus – Teil unserer Gesellschaft. Sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Diffamierung von Frauen*, Lesben, Schwulen und Trans*-Personen gehören leider zum Alltag. Rollenklischees, die einengen und die falsche Schönheitsideale vorgeben. Frauen, die trotz höherer Bildung 21 Prozent weniger verdienen als Männer. Diesen Verhältnissen sagen wir den Kampf an.

Es war eine ermutigende und kraftvolle Veranstaltung am 4. März in Berlin, nicht zuletzt durch die künstlerische Umrahmung durch »The toten Crackhuren im Kofferraum«.