Disput

Hallo im Hallschlag

»Können wir bei der Landtagswahl auf Sie zählen?« Von Tür zu Tür in einem Stuttgarter Viertel

Von Christina Kaindl

Ein sonniger Samstag im Februar. 14 Aktive aus Berlin, Stuttgart und ein Amerikaner aus Prag machen sich auf den Weg von Tür zu Tür.

Im Hallschlag ist die Armut hoch, die Wahlbeteiligung gehört zu den niedrigsten überhaupt. DIE LINKE lag hier 2011 in den Wahlbezirken zwischen 4,8 und 9,1 Prozent – 25 bis 36 Stimmen: Jede Stimme zählt.

Am Ende des Tages haben wir an 1.400 Türen geklingelt und ungefähr 250 Gespräche geführt. Etwa hundert Menschen wollen uns sicher wählen, und 30 haben sich in eine Kontaktliste eingetragen, weil sie gemeinsam etwas gegen die steigenden Mieten im Viertel tun wollen. Wir haben sie zu einem Frühstück mit ihrem Wahlkreiskandidaten Bernd Riexinger am folgenden Sonntag eingeladen.

Am Tag zuvor hatten wir geübt. An fremden Türen zu klingeln und Gespräche darüber zu führen, was die Menschen für Sorgen haben und was DIE LINKE anzubieten hat: Da ist vielen erstmal etwas mulmig. Ein Rollenspiel hilft, auch Antworten auf befürchtete Einwände auszutauschen.

Studien aus Deutschland und den USA zeigen: Diese Art von direkter Ansprache ist die einzige Methode, die die Wahlbeteiligung erhöhen kann. Die einzige. Wer nicht wählen gehen will, lässt sich von einem Flyer im Briefkasten nicht umstimmen. Aber es kommt darauf an, wie gesprochen wird.

1. Die Angesprochenen müssen zu Wort kommen. Wer nur seine Angebote runterleiert, vermittelt, dass wir uns für ihre Leben nicht interessieren. Das ist nicht richtig. Denn wir können nur gemeinsam mit den Menschen etwas verändern. Im Hallschlag steigen die Mieten um bis zu 60 Prozent. Viele müssen umziehen. Andere arbeiten prekär, machen mehrere schlecht bezahlte Jobs. Wenn kein Thema Anklang fand, half mal eine offene Frage dazu, was am meisten drängt.

2. Im Gespräch muss deutlich werden, warum DIE LINKE zu wählen eine richtige Strategie gegen das Problem ist.

3. Das Gespräch muss mit einer geradeheraus gestellten Frage oder Aufforderung enden: »Können wir darauf zählen, dass Sie uns am 13. März wählen werden?« Wer noch unsicher ist, wird das sagen. Wer »auf jeden Fall« antwortet, wird sich freuen, wieder von der LINKEN zu hören. Da ist es gut, die Adresse zu notieren. Alle haben wir gefragt, ob sie sich weiter für diese Themen engagieren wollen, und um ihre Kontaktdaten gebeten. Schließlich sind wir nicht nur im Wahlkampf aktiv.

Bei Wahlen geht es immer um Zahlen. Ein Gespräch dauert deshalb nicht länger als sieben Minuten. Wenn Thema 1, 2 oder 3 nicht interessant sind und LINKE schon gar nicht – dann wartet schon die nächste Tür.

Wir haben in kleine Wohnzimmer geschaut und vor Türen mit sehr vielen Schuhen gestanden. Wir haben erfahren, wie die Menschen leben. Besonders für die Wahlkämpfer/innen aus dem Bezirk war es gut zu spüren: Viele Leute sind uns freundlich gesonnen. Niemand hat gesagt »Jetzt kommt ihr, wo alle kommen« – wir hatten auch nicht den Eindruck, dass noch jemand kam. Am Ende des Tages grüßten uns die Leute im Supermarkt. Öfters hörten wir: »Meine Stimme bewirkt doch nichts.« Wir wollten zeigen: Wenn das richtig wäre, dann wären wir nicht hier.