Disput

Jens, was ist für dich links?

Jens Carstensen, 57, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, arbeitet als Bezugstherapeut in der medizinischen Rehabilitation für Suchterkrankungen. Er ist Mitgründer des LINKEN-Kreisverbandes Oberhausen und ihr Kreissprecher.

Jens, was ist für dich links?

Antikapitalismus; wenn Menschen sich dafür einsetzen, dass das gesellschaftlich Produzierte auch gesellschaftlich genutzt werden kann.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht? Die Ehrlichkeit unserer Mandatsträger/innen. Seitdem wir im Rat der Stadt Oberhausen vertreten sind, gilt für uns eine Übereinkunft: Niemandem soll es finanziell besser oder schlechter gehen als ohne Mandat. Neben der im Parteistatut vereinbarten Regelung geht unsere weit darüber hinaus. Die Spenden gehen an verschiedene Vereine, Bürgerinitiativen usw. Und wir können uns als LINKE mehr Infrastruktur leisten. Mich hat überrascht, wie selbstverständlich das mit der Übereinkunft klappt.

Worin siehst du deine größte Stärke, deine größte Schwäche?

Meine innere Ruhe ist meine größte Stärke, meine größte Schwäche ist meine Abneigung gegen Hausarbeiten (ich mache sie aber trotzdem!).

Was war dein erster Berufswunsch?

Sozialarbeit. Zwischen 1984 und 2011 habe ich verschiedene Jobs als Chemiearbeiter, Lagerarbeiter und dann im EDV-Bereich gehabt, bis ich durch einen glücklichen Umstand in meinen ursprünglich erlernten Beruf konnte.

Wenn du Parteivorsitzender wärst ...

... würde ich zurücktreten und dem Parteitag Bernd Riexinger empfehlen (Frauenquote!).

Was regt dich auf?

Die derzeitigen Machtverhältnisse.

Wovon träumst du?

Vom Beginn des Antikapitalismusses.

Wofür gibst du gern Geld aus?

Für die »junge Welt«, für den fairen Laden in Oberhausen.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?

Nein – diesen Zeitabschnitt habe ich hinter mir.

Vaterland, Mutterland, Deutschland – wie gern lebst du hier?

Ich lebe gerne hier, weil hier meine Familie und meine Freunde leben. Darüber hinaus ist die Landschaft in Deutschland abwechslungsreich und schön. Mutter-, Vaterland, Deutschland – nein danke!

Müssen Helden und Vorbilder sein?

Fussball-Helden natürlich, sonst nicht. Vorbilder vielleicht, es kommt darauf an, welche.

Wann fühlst du dich gut?

Wenn es meiner Familie gut geht, wenn wir als LINKE vorankommen, wenn wir eine gelungene Aktion/Veranstaltung usw. hatten.

Mit wem lachst du besonders gern?

Mit meiner Frau und mit meinen Freunden – gerne auch über mich selbst.

Was würdest du mit auf eine Insel nehmen?

Ein Boot, damit ich wieder zurückkann.

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in deinem Leben?

Das ganze Leben ist irgendwie Kunst; Kultur habe ich erst mit späteren Jahren schätzen gelernt. Ich mag Kunst und Kultur im Kleinen, von Amateuren vor Ort.

Wovor hast du Angst?

Vor der Deutschtümelei, vor der NATO.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?

Empathie.

Wie lautet dein Lebensmotto?

Im Augenblick leben.