Disput

Weiße Salbe

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

 

Mhmm, Bockwurst zum Frühstück. Leider kommt bei Senf aus der Tube immer erst Wasser – das ist blöd. Ich wische den Boden auf, im Radio die Nachrichten, und ich höre: »… das wäre lediglich weiße Salbe.« Ach ja, das neue Placebo-Album wollte ich ja noch hören – also: Radio aus!

Die »weiße Salbe« wird bemüht, wenn es um Maßnahmen in Politik und Wirtschaft geht, die von außen gesehen wie eine wirkmächtige Steuerung aussehen, doch letztlich keinerlei relevante reale Wirkung haben. Pate für die Wendung steht das Verschmieren von einfacher weißer Hautcreme zum Beispiel auf Kinderknien und -ellenbogen bei kleinen Schürfwunden wegen »vom Roller gefallen«. Geheilt wird damit nicht die Verletzung an sich, sondern gemildert werden der Schock und das Geheule. »Es tat nie weha …« kommt wahrscheinlich auch daher.

Das Verarschen kleiner Kinder ist schon schlimm, aber dass man im Politbetrieb ab der Ministerebene glaubt, dass das Prinzip auch im großen politischen Rahmen bei der Generation Ü40 prima hinhaut, sollte uns nachdenklich stimmen. Da werden Maßnahmen gegen Langzeitarbeitslosigkeit verkündet, die nichts tun, als den Anschein zu erwecken, es würde besser. Oder man fordert im Zuge der NSA-Affäre ein No-Spy-Abkommen, wohl wissend, dass Geheimdienste das ignorieren würden – immerhin jedoch senkt es den Puls bei den Schlichteren unter den Aufgeregten, in der Regel eben bei der Mehrheit.

Dann soll bitte gern und häufig der Placebo-Effekt gegeißelt und der Aktionismus ohne Wirkung geziehen werden, dann immer her mit der »weißen Salbe«. Das zu entlarven, was uns schlicht nur beruhigen soll, ist eine tolle Sache, treibt uns aus der selbstverschuldeten Kindsköpfigkeit, lässt uns hinterfragen und bestenfalls handeln.

So erfüllt das einen pädagogischen Effekt, ist eine erzieherische Maßnahme – so wie ich in Zukunft wieder Senf im Becher kaufe!