Disput

Alles in allem

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Erst nachdem die Hausaufgaben gemacht sind, so gegen fünf vor 12, gibt es Frühstück, das Zeitfenster dafür ist klein. Wir sitzen uns auf Augenhöhe gegenüber, eine Eintagsfliege summt, mit Bauchschmerzen höre ich die Nachrichten: »… das wäre es, alles in allem.« Restkaffee tropft auf die Heizplatte der Maschine wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich bedenke meine Optionen, ist da noch Luft nach oben?

Ich war ganz bei ihr, wollte es mit ihr rocken, habe sogar den Ball in ihr Feld gespielt, wollte mich einbringen – ich dachte, ich wäre so gut aufgestellt. Dann ließ sie plötzlich die Maske fallen, fast schon grenzwertig diskutierte sie die Problemlage. Ihr Vorwurf, ich ließe sie im Regen stehen, war für mich ein Schlag ins Gesicht, eine regelrechte Ohrfeige. Dabei war ich so sicher, alles in meiner Macht Stehende getan zu haben, ich hatte sogar einen Plan B, falls der Stich ins Wespennest schiefginge.

Nun muss ich liefern, und zwar zeitnah, will ich nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen … und es ist mir bewusst: Sollte ich versagen, würde sie nie wieder eine Lanze für mich brechen, meine Missetaten wären in aller Munde, und mit großer Wahrscheinlichkeit geriete ich unter Beschuss. Weinerlich sagte ich: »Das kann dich doch nicht kalt lassen?«

Ihre Antwort kam frostig lächelnd, ich solle nicht Äpfel mit Birnen vergleichen – sie griff nach einem von beiden und einem Messer. Ich bäumte mich noch einmal auf: »Aber die Menschen, die Leute – da draußen …« Dadurch kurz abgelenkt, schnitt sie sich ins eigene Fleisch. Hastig legte sie den Finger in die Wunde, während ich auf der Arbeitsebene nach weißer Salbe suchte. Alles war Vollblut. War das nur eine weitere Baustelle, oder sollte ich den Totengräber rufen?

Die kleine Sprachglosse diesmal auf speziellen Wunsch eines einsamen Redakteurs als Zwischenbericht aller bisherigen Blablas. Danke.