Disput

Die unvereinigten Staaten von Amerika

Feuilleton

Von Jens Jansen

Es war der »dreckigste Wahlkampf« der USA. Es ging eigentlich nur um das »kleinere Übel«. Die Wähler hatten »Pest oder Cholera« zur Auswahl. So klang es seit Monaten aus allen großen Medien. Damit stand für die Beobachter in Berlin wie in Washington fest: Trump wäre »unberechenbar« – Hillary muss siegen! Doch nach der Wahl dann die »Fassungslosigkeit«: Der Catcher hatte die Lady besiegt! Der »Lümmel« die »Elite«. Der Bauch den Verstand. Der Einzelkämpfer die Exekutive …

»Ein schwarzer Tag«, sagen die Linken. Trump hat sich als Rassist, Sexist und Hau-drauf-Held profiliert. Das bringt einen Rechtsruck in den USA. Davon hat die Welt unserer Tage schon genug am Kragen. Die Quellen dieser Tendenz waren erkennbar: Der Dollar humpelt. Die Verschuldung wird unermesslich. Wichtige Industriezweige taumeln. Dringende soziale Probleme sind unbewältigt. Es folgten die Kriege ohne Siege. Die Banken und Börsen griffen zum Rhizinusöl der Hedgefonds. Der Durchfall plagte ganze Kontinente. Das verschärfte alle Gegensätze zwischen Arm und Reich, Farbigen und Weißen, Tauben und Falken, oberer und unterer Mittelschicht.

Weil der Schwanz nicht mit dem Hund wackelt, muss man schauen, was das Finanzkapital zu dem Ergebnis sagt. Die Herren wollten mit der vertrauten Hillary ins Bett und sind mit Trump aufgewacht! Sie hatten sich wieder verspekuliert. Es zeigt sich immer öfter: Die Obrigkeiten der kapitalistischen Welt wissen nicht, wie ihr Volk tickt! Sie thronen zu hoch in den Wolken. So formiert sich überall aus Wut und Enttäuschung eine Protestbewegung, die die Verhältnisse zum Tanzen bringt. Dann fehlt nur noch eine Gallionsfigur, die mit populistischen Parolen einen Sog erzeugt.

Jetzt regiert Trump die USA. Bleibt die Frage: Wer regiert Trump? Da gab es im Wahlkampf eine Minute der Wahrheit, als Trump Clinton eine »Marionette« nannte – und sie ihn dann ebenso titulierte. An wessen Fäden beide hängen, zeigt die Spendenliste für die halbe Milliarde Dollar, die jeder braucht, um auf dem Königsthron der amerikanischen Demokratie landen zu können. Trump bedankte sich daher gleich bei den einflussreichen Gruppen des Großkapitals, bei den 200 Generalen und Admiralen der Streitkräfte, den Geheimdiensten und Beratern, die ihm geholfen haben. Da sind hoffentlich genügend Leute dabei, die wissen, wo bei Trump die Handbremse der Vernunft eingebaut ist.

Die Linken könnten sich trösten: Immerhin hält Trump wenig von der NATO. Er ist gegen TTIP, gegen die Korruption und gegen die Konfrontation mit Moskau. Auch gegen die Manipulation der öffentlichen Meinung und gegen die Sparzwänge in Europa.

Aber das sind Köder mit Widerhaken, denn Trump ließ auch hören: Wer Atomwaffen besitzt, kann sie nutzen. Wenn die USA Europa schützen, müssen die Europäer auch mehr dafür bezahlen. Wenn uns der Welthandel würgt, werden wir Schutzzölle bis 30 Prozent erheben …

Das sind für Deutschland und die EU Gewitterwolken. Doch Verträge sind kein Klopapier. Und da der Herrscher nicht nur das Amt prägt, sondern das Amt auch den Herrscher, klang die Dankrede von Donald Trump schon anders als seine Wahlreden: Die Regierung soll dem Volk dienen. Innenpolitik hat Vorfahrt. Die Infrastruktur aufbessern, Talente fördern, um Macht und Ansehen zu stärken, und die Zusammenarbeit mit allen Völkern suchen …

Ist der »Freistilringer« zum »Schachspieler« geworden? Er hat ja auch die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat, die vieles möglich und manches unmöglich machen kann. Berlin und Brüssel werden es nicht leicht haben mit dem neuen Führer ihrer Führungsmacht.