Disput

Edith, was ist für dich links?

Edith Belz, 1961 in Delmenhorst (Niedersachsen) geboren, ist Fotografin und arbeitet freiberuflich als E-Learning-Autorin. Sie ist seit drei Jahren Kreissprecherin der LINKEN und wurde am 11. September 2016 in den Stadtrat von Delmenhorst gewählt.

Edith, was ist für dich links?
Mehr als das Gegenteil von rechts: eine solidarische, sozialistische und antifaschistische Gesellschaft. Also so, wie wir alle leben wollen.

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Der Zuspruch von Menschen, von denen ich es nicht erwartet hätte. Aber auch Menschen, die in der Flüchtlingshilfe mitarbeiten und trotzdem jede Menge rassistische Ansichten verbreiten. Da stellt sich schon die Frage, worauf diese Hilfsbereitschaft überhaupt basiert.

Worin siehst du deine größte Stärke, deine größte Schwäche?
Meine Stärke: Ich bin als Arbeiterkind aufgewachsen und weiß, wie man sich durchkämpfen muss. Meine Schwächen: zu viel Empathie, zu wenig Egoismus (ich weiß, darüber kann frau streiten, bringt eine aber im wirklichen Leben eben nicht voran).

Was war dein erster Berufswunsch?
Dekorateurin oder Tankwart (damals wurde noch nicht gegendert, darum durfte ich ja auch nicht Tankwart werden oder Kfz-Mechaniker).

Wenn ich Parteivorsitzende wäre …
… würde ich dringend mal nachgucken, was so in den Landesverbänden los ist. Und sie beim Aufbau unterstützen.

Was regt dich auf?
Menschen, denen es nicht um die Sache oder andere Menschen geht, sondern immer nur um sich selbst.

Wovon träumst du?
Friede, Freude … und eine antikapitalistische, antirassistische Welt.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Für fair gehandelte Produkte, für Bücher, Freunde und Fahrräder für Flüchtlingskinder.

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?
Klar, wer will das nicht manchmal? Ich wäre gern viel entspannter und ein bisschen geduldiger mit mir selbst.

Vaterland, Mutterland, Deutschland – wie gern lebst du hier?
Ich hab ja solches Glück, in Friedenszeiten in einem reichen Land geboren zu sein, nicht mein Verdienst – und manchmal wäre ich trotzdem gern woanders, wenn »besorgte Bürger« gegen Geflüchtete hetzen.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Helden habe ich nicht, aber mein Vorbild ist mein Vater. Der war Arbeiter und immer geradeaus. Ob ihn das vorangebracht hat? Das weiß ich nicht, aber auf jeden Fall war er immer mit sich im Reinen.

Wann fühlst du dich gut?
Mit Menschen, die sich sicher fühlen. Weil sie es verdient haben.

Wen oder was würdest du mit auf eine Insel nehmen?
Etwas zum Schreiben und Zeichnen – mal nicht konsumieren, nicht kommunizieren, nur festhalten, was kommt. Und ein Musikinstrument, dann hätte ich ja viel Zeit zum Lernen.

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in deinem Leben?
Ich glaube, ich bin eine Kunstbanausin. Ich freue mich immer, wenn mich mal jemand freundlich zwingt, mir etwas Künstlerisches anzutun. Aber (soweit das überhaupt zu trennen ist): Kultur finde ich wichtig, die haben wir doch alle in uns und müssen das fördern, ich habe schon viel von anderen gelernt.

Mit wem lachst du besonders gern?
Mit Menschen, die auch und besonders über sich selbst lachen können.

Wovor hast du Angst?
Vor der Dummheit der Menschen und dem daraus resultierenden Rechtsruck in der Gesellschaft.

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen besonders?
Ehrlichkeit, Empathie, zu den eigenen Schwächen zu stehen.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Am Ende wird alles gut! Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.