Disput

Eintagsfliege

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

So, auch der Herbst hat schöne Tage. An einem solchen, mit umgehängtem Brotbeutel und ebenfalls umgehängtem Transistorradio, durch die Botanik zu latschen, ist nicht schlecht. Frühstück aus Fallobst am Flusslauf, Handgewedel wegen »Fliegzeug«, und scheppernd klingen die Nachrichten: »… ist nur eine Eintagsfliege.«

Jenes Flügeltier, dessen Spannweite in Millimetern größer ist als die Lebensspanne in Tagen, wird in nachrichtlicher Hinsicht verwendet, um kurzlebige Themen von nur vorübergehender Bedeutung zu charakterisieren. Neben »einen Bären aufbinden« der größte Erfolg eines Tieres in der nach oben offenen Sprachbildskala – hat halt nur keine Zeit, ihn zu genießen.

Die Eintagsfliege: Verkümmerte Kauleisten verhindern die Nahrungsaufnahme. Der Verdauungstrakt, mithin nutzlos, stützt dafür das grazile Körpergerüst. Außer Fortpflanzung mit leerem Magen passiert nicht viel, dafür sind die Stunden Lebenszeit großzügig bemessen, finde ich. Nicht fressen, aber rumferkeln.

Doch: Bis auf die Botaniker sind wir alle keine Botaniker. Und so passiert es immer wieder, dass der Wunsch der Vater des Gedankens ist, der sich dann als Irrtum herausstellt: Da erweisen sich Themen und Sachen als hartnäckig zählebig, auf die man gut verzichten könnte. Anders herum: Passiert mal etwas Gutes im politischen Kosmos, wünscht man sich, dass das gerade KEINE Eintagsfliege sei. Aber auch hier gilt: Noch ehe die Nacht um ist, sieht man sich in der Regel getäuscht. Die Eintagsfliege ist da dann schon ‘ne Weile tot.

Übrigens: Wie die Elefanten und Ponys aus dem Zirkus verbannt werden, entflieht die Eintagsfliege dem verbalen Biotop und wird anorganisch zunehmend ersetzt durch die »Seifenblase« – auch schön.

Am Ende noch ein Witz: »Kannste mir mal 100 Euro leihen? Kriegste morgen wieder!«, sprach die Eintagsfliege.