Disput

Mit Marx im Netz

Fernstudium plus Wochenendseminare: Im Februar beginnt bereits der fünfte Lehrgang »DIE LINKE 1«

Von Harald Werner

Ende des Jahres wird der vierte, über ein knappes Jahr laufende Lehrgang »DIE LINKE 1« abgeschlossen, und im Februar 2017 beginnt ein neuer. Dieses »Blended Learning(Integriertes Lern-)«-Angebot verbindet das Fernstudium auf einer Lernplattform im Internet mit vier Wochenendseminaren, in denen jeweils das im vorangegangenen Abschnitt angeeignete Wissen auf konkrete und aktuelle politische Entwicklungen angewendet wird.

Dem wohl längsten und umfangreichsten Lernangebot der LINKEN gingen mehr als zwei Jahre kritischer Diskussion über diese Lernform und eine arbeitsintensive Entwicklung des Lernstoffs voraus, die im Prinzip bis heute andauert, weil das sechsköpfige Team den Kurs nach jedem Durchgang überarbeiten musste.

Etwa 80 Genossinnen und Genossen haben den Lehrgang inzwischen absolviert, und das Erfreulichste an der Bilanz ist nicht nur die überraschend kleine Abbrecherquote, die angesichts der Abgänge bei anderen Fernstudien geradezu rekordverdächtig ist, sondern dass viele Genossinnen und Genossen nach ihrem Abschluss selbst in die Bildungsarbeit auf Landes- und Kreisebene eingestiegen sind. Das war eigentlich auch das wichtigste Ziel des Kurses. In Bremerhaven gibt es sogar den ersten lokalen Kurs, der von einem Absolventen des ersten Kurses betreut wird. Und das soll erst ein Anfang sein, denn regionale Angebote würden viel Zeit und Geld sparen und könnten vor allem den Aufbau lokaler Bildungsstrukturen fördern.

Das Angebot

Das Lernangebot besteht aus den drei Teilen: »Mensch und Gesellschaft«, »Politische Bewegungen und Theorien« sowie »Politische Ökonomie«. In ihnen kommt bei Weitem nicht nur Marx zu Wort, sondern wird vom aktuellen Stand der linken Debatte ausgegangen. Insgesamt ein recht anspruchsvolles Paket, das relativ hohe Ansprüche an den Arbeitseinsatz der Lernenden und an das Team stellt. Nach unserer Statistik kommen die Lernenden beim Lesen der Lern- und Quellentexte, der Bearbeitung der Arbeitsaufgaben sowie durch die Teilnahme an den Wochenendseminaren auf über 250 Stunden intensiven Lernens. Wollte man das Pensum auf Wochenendseminare verteilen, würden dafür etwa 34 Wochenenden gebraucht. Eine finanziell, aber auch zeitlich unrealistische Alternative.

Wer angesprochen wird

Eine Schwierigkeit bleibt die Auswahl der Teilnehmenden. Zum einen melden sich stets mehr Bewerberinnen und Bewerber an, als Plätze angeboten werden, und zum anderen streben wir neben der Quotierung auch eine regional, altersmäßig und sozial ausgewogene Zusammensetzung an. Zudem soll der Kurs kein Angebot für Hochschulabsolventen oder Studierende sein, sondern nicht mehr voraussetzen als praktische Politikerfahrung und eine gewisse politische Grundbildung.

Natürlich ist das Spektrum in jedem Kursdurchgang äußerst breit. Gerade in den Wochenendseminaren und bei den offenen Diskussionen im Blog zeigt sich, dass dies auch ein Vorteil ist. Die Fortgeschritteneren lernen, ihr Wissen umgangssprachlich weiterzugeben, und die anderen verlieren nach einer Phase des gegenseitigen Kennenlernens sehr schnell ihre Scheu, Fragen zu stellen. Überhaupt bleibt es nicht beim gemeinsamen Lernen – einerseits bei der Kommunikation auf der Plattform und andererseits in den Wochenendseminaren –, sondern es entstehen Freundschaften und neue Arbeitszusammenhänge. Um das zu unterstützen, wurde vor zwei Jahren auf der Internetplattform ein »rotes Klassenzimmer« geschaffen, auf das alle jetzigen und ehemaligen Absolventen zugreifen können. Hier wird über aktuelle Themen und Probleme der Parteiarbeit diskutiert, werden auch Buch- und Filmtipps gegeben.

Die Diskussionsforen sind nur ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zugänglich. Das komplette Lernangebot ist öffentlich und kann über einen Gastzugang angesehen werden: einfach http://lernplattform.die-linke.de/ aufrufen und dann auf »Als Gast anmelden« klicken. Natürlich bleiben die persönlichen Daten, Aktivitäten und Diskussionsbeiträge Außenstehenden verschlossen.