Disput

Das Beste am Norden …

…ist DIE LINKE. Sie war im Landtag Schleswig-Holstein, dann wieder nicht. Jetzt ist sie erneut auf dem Weg dorthin

Von Harald W. Jürgensonn

Machen ist wie Wollen – nur krasser«, sagt Katjana Zunft. Die 48-Jährige ist Erzieherin, Familientherapeutin, aktuell Mitarbeiterin in einem Frauenhaus, LINKE- Vorsitzende in Lübeck, Landesvorstandsmitglied und Nr. 3 der Liste für die Landtagswahl am 7. Mai. Im März organisierte sie den Women’s March in ihrer Stadt, rund 1.500 Menschen nahmen teil, die Medien berichteten ausführlich.

Wer im Norden für DIE LINKE in den Landtag will, muss ackern. Die Genossinnen und Genossen im Norden haben’s nicht leicht. Kommen sie mit Inhalten, berichtet niemand. Aber kommt SPD-Wadenbeißer Ralf Stegner mit dem Bekenntnis, die LINKE aus dem Parlament halten zu wollen, wird das groß berichtet.

Knapp über 1.000 Mitglieder in 16 Kreisverbänden versuchen die mediale Ignoranz wettzumachen. Landessprecher Lorenz Gösta Beutin zum Beispiel bespielt Facebook – mit großem Erfolg. Mit flotten Grafiken und eingängigen Slogans vermittelt er täglich neue Punkte aus dem Wahlprogramm. Mit rund 4700 Likes ist die Seite erfolgreicher als alle Seiten der im Landtag vertretenen Parteien. Er antwortet umgehend auf Kommentare, überzeugt bis hin zum Neueintritt noch unentschlossener User. Machen ist krass.

Zwölf Namen umfasst die Liste für die Landtagswahl, an der Spitze stehen Beutins Co-Landessprecherin Marianne Kolter und Uli Schippels, der bereits von 2009 bis 2012 für DIE LINKE im Kieler Parlament saß. Direktkandidatinnen und –kandidaten gibt es in allen 35 Wahlkreisen. Sie sind zurzeit überall präsent zwischen Flensburg und Lübeck, sitzen in Podiumsdiskussionen von Husum an der Nord- bis Kappeln an der Ostsee. An Veranstaltungen mit bundesweit bekannten LINKEN kommen auch die Medien nicht vorbei: Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Bodo Ramelow, Petra Pau, Caren Lay, Jan van Aken und Matthias Höhn waren schon da oder kommen noch vor der Wahl, auch über Auftritte von Janine Wissler und Sevim Dagdelen wird berichtet.

Große Unterstützung auch von Cornelia Möhring, der einzigen LINKE- MdB aus Schleswig-Holstein. Für die frauenpolitische Sprecherin und Vizevorsitzende der Linksfraktion wird der Wahlkampf nach dem 7. Mai gleich weitergehen. Sie ist die Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl und will schon die Landtagswahl nutzen, damit ab September wieder ein zweites Mandat für DIE LINKE dazukommt: Lorenz Gösta Beutin, die Nr. 2 für die Bundestagswahl. Conni, wie alle sie nennen, in Doppelfunktion: In Berlin ist sie Fachfrau für Bundesfrauenpolitik, im Land bricht sie ihre Themen wie zum Beispiel Entgeltgleichheit auf die Landespolitik runter. Wichtige Themen in einem Bundesland, wo allgemein wenig und in saisonalen Gastronomiejobs noch weniger verdient wird. Besonders hier im Norden sieht man: Armut ist weiblich.

287.000 Euro umfasst das Wahlkampf- Budget. Landesschatzmeister Rainer Konrad Bachmann ist zurzeit gefragt wie selten zuvor: Immer wieder Neuberechnungen, und immer wieder macht er das Unmögliche möglich. Hier was abknapsen, da was dazuschießen – und am Ende stimmt die Rechnung auf den Cent genau. Das Wahlbüro ist das Gremium, in dem alles koordiniert wird. 15.000 Plakate müssen aufgehängt, 300.000 Kurzwahlprogramme verteilt werden. Radio- und TV-Spot wurden zeitig fertig, die Präsentation von Strategie, Programm und Plakaten fand Niederschlag in Zeitungen, Radio und NDR-Landesschau.

Neugestaltet wurde auch die Landesseite www.linke-sh.de. Sie greift die Plakatmotive auf, stellt das KandidatInnen- Team vor, bündelt alle Pressemitteilungen, führt mit einem Mausklick zum Mitmach-Formular und bietet jetzt auch einen Button, mit dem die Briefwahl barrierefrei beantragt werden kann.

Der Endspurt bis zum 7. Mai hat begonnen, die Chancen stehen gut. Aus dem 2,3-Prozent-Tief der Landtagswahl 2012 hat sich DIE LINKE Schleswig-Holstein wieder auf vier bis fünf Prozent in den Umfragen hochgearbeitet. Machen ist eben krasser als Wollen.