Disput

Die zehn Facebook-Gebote

Katzenbilder? Man kann auch mit politischen Botschaften im Internet viele Menschen erreichen. Wie LINKE bei Facebook erfolgreich werden

Von Thomas Dudzak

1. Kenne deine Zielgruppe

Viele, die mit einer neuen Social-Media- Präsenz anfangen, kennen das: Man lädt alle seine Freunde ein und freut sich über die wachsenden Like- und Followerzahlen. Dann stockt es. Die Beiträge kriegen keine Reichweite mehr. Informiere ich regional, ist das für die, die woanders lesen, uninteressant. Gleichzeitig bekommen die, die ich eigentlich erreichen will, gar nicht mit, was ich mache. Einfacher ist es, sich am Anfang ein paar Fragen zu beantworten: An wen richten sich die Beiträge? Wer liked? Wer teilt? Wer kommentiert? Und wer sollte es tun? Dabei helfen die Statistiktools der Plattformen. Hier sieht man, wie alt NutzerInnen sind, woher sie kommen und vor allem, wann sie online sind. Denn Beiträge sollte man immer dann einstellen, wenn NutzerInnen auch online sind. Faustregel für Facebook: Ein Beitrag pro Tag, maximal zwei, entweder früh, wenn die Leute zur Arbeit fahren, oder nachmittags, wenn sie von der Arbeit kommen.

2. Plane voraus

Die Präsenz muss bespielt werden und nicht immer hat man Zeit oder Ideen. Deshalb ist ein Redaktionsplan sinnvoll: Welcher Feiertag oder Gedenktag steht an? Was sind wichtige Ereignisse? Dann kann man entsprechende Beiträge vorbereiten, wenn man Zeit hat, und dabei auf den Medienmix aus zum Beispiel Links, Bildern oder Videos achten. Perfekt!

3. Sei bereit, deine Pläne über den Haufen zu werfen

Manchmal passt der Beitrag, den du dir ausgedacht hast, nicht zum Tagesgeschehen. Oder ein Thema hat sich weiterentwickelt. Dann ist es wichtig, zu reagieren und Planung Planung sein zu lassen. Je schneller man ist, desto besser kann man seine Sicht auf ein Thema transportieren und Mehrwert bei den NutzerInnen erzeugen. Aber Achtung: Es bleibt ein schmaler Grat, denn mit einer voreiligen Deutung kann man daneben liegen. Deshalb immer erst die Fakten klären.

4. Fasse dich kurz

NutzerInnen scrollen schnell durch ihre Timeline. Ein Beitrag muss auffallen. Wenn er auffällt, hat man zwischen drei und 30 Sekunden Zeit, die Botschaft im Aufmerksamkeitsfenster zu vermitteln. Zu lange Texte liest keiner, lange Videos schaut keiner zu Ende. Wirklich niemand liest ganze Pressemitteilungen in sozialen Netzwerken. Also: kurz fassen. Faustregel: Sieben Zeilen Text im Beitragsfenster. Auf Bilder nicht mehr als drei kurze Sätze, Videos zwischen 16 und 30 Sekunden.

5. Menschen müssen reagieren können

Soziale Netzwerke leben von Interaktion. Interaktion bringt Reichweite: Liken, teilen, kommentieren. Wo NutzerInnen das machen können, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihre FreundInnen davon erfahren. Und selbst einsteigen. Ein Beitrag, der für Menschen interessant ist, aber keine Reaktion oder Interaktion zulässt, wird nicht erfolgreich sein.

6. Spitze zu, um deinen Punkt zu setzen

Wir sind LINKE. Wir erklären gerne unsere Politik detailliert. Sind gerne korrekt. Das ist ein Problem, denn damit sprengen wir nicht nur das Aufmerksamkeitsfenster, sondern schließen auch Menschen sprachlich aus, die uns inhaltlich nicht folgen können. Soziale Netzwerke bieten keinen Platz für einerseits und andererseits. Ein »Die Kürzungen der Regionalisierungsmittel durch das Bundesfinanzministerium führt zu Streckenstillegungen insbesondere in strukturschwachen neuen Bundesländern« ist einfach nicht so verständlich wie ein «Schäubles Sparpaket ist ein Kahlschlag der Bahnstrecken im Osten».

7. Beachte Konventionen der Plattform

Jeder Social-Media-Kanal hat eigene Konventionen: Twitter hat maximal 140 Zeichen, Videos sind nicht länger als 30 Sekunden, Bilder sollten im Format 2:1 und als JPEG vorliegen. Bei Facebook können Videos wie Bilder das Format 1:1 voll ausnutzen. Es verarbeitet PNGs, JPEGs werden aber extrem komprimiert. Instagram liebt Bilder in 1080x1080px und Videos bis zu 16 Sekunden. Hält man sich nicht an Konventionen, wird der Beitrag schlecht präsentiert. Die Reichweite sinkt.

8. Engagiere dich. Interagiere

Social Media ist kein Plakat und kein Lautsprecher, um nur zu verkünden. NutzerInnen interagieren, kommentieren und erwarten Reaktion. Also muss man auf sie, auf ihre Hinweise, Anregungen und Kritik eingehen. Das überzeugt. Nebenbei erzeugt so ein Engagement zusätzliche Sichtbarkeit, weil NutzerInnen intensiver mit dem Beitrag interagieren. Die Reichweite steigt.

9. Fütter nicht die Trolle

Leute, die nur da sind, um Debatten zu stören, kennen wir alle. »Trolle« sollte man links liegen lassen, ihre Kommentare verbergen und fertig. Das spart Zeit und Nerven. Habt ihr mehr Zeit, könnt ihr es mal mit Zurücktrollen versuchen: Intensiv einsteigen, mit viel Witz und Charme antworten. Das belebt die Debatte, andere steigen meist ein und viele Trolle geben dann auf. Aber das ist nicht ganz ungefährlich, also seid vorsichtig. Rassistische, sexistische, gewaltverherrlichende und sonstige strafbare Kommentare sind zu löschen und die entsprechenden Nutzer und Nutzerinnen zu sperren.

10. Hab' Spaß

Man kann nicht jeden Tag das Internet gewinnen. Wenn es mal nicht so läuft, Schwamm drüber. Morgen ist wieder ein Tag. Und dann klappt es wieder besser. Versprochen.

Thomas Dudzak ist Pressesprecher und Social-Media-Verantwortlicher der sächsischen LINKEN.