Disput

An einem Strang

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Oh je, ich zittere immer noch, Stunden nach Sonnenaufgang – gestern Nacht der Horrorfilm war zu heftig und sehr gruselig: »Die Nacht der Gehenkten«. Vom Entsetzen aufgewühlt sitze ich nun da und … stricke. Ich hänge vor der Glotze und es laufen die Nachrichten, ich höre: »… wir ziehen doch alle an einem Strang!« Vom Entsetzen aufgewühlt sitze ich nun da und … ach, das hatten wir schon.

Gern und zunehmend häufiger wird zu »Runden Tischen« eingeladen, einem Austausch über diese Sache und jenes Zeug. Es wird seltsamer Weise immer öfter dabei davon ausgegangen, dass trotz unterschiedlicher Positionen (warum säße man sonst zusammen) die Beteiligten letztlich und im Übergeordneten einer Meinung seien. Weil dem aber in der Regel nicht so ist, hilft wohl nur weiter, sich permanent an das vermeintlich gemeinsame Ziel zu erinnern. Ausreißer werden eingefangen mit den Worten: »… überdenke Dies und Das doch noch mal – wir ziehen hier doch alle an einem Strang!«

Eben nicht! Gäbe es nur eine Meinung, könnte man sich ja gleich den Strick nehmen – Austausch und Streit sind wichtig. Die Älteren erinnern sich: These, Anti-These und dann historischer Fortschritt, Entwicklung… Die Jüngeren verstehen das sicher nicht. Sie waren es auch, die aus purer grammatischer Verzweiflung, sich zwischen dem Ziehen am »selben Strang« und dem Zerren am »gleichen Strang« entscheiden zu müssen, auf den »einen Strang« verfielen. Lebenslanger Bildungsstreik, halt – es schnürt einem die Luft ab.

Atemberaubend auch die dabei erbrachte Leistung, mittels Appellativum eine heile Lage und Einigkeit herbeizureden… aber das führt zu weit. So – wie komme ich nun aber zum Ende? Ach ja: Es reicht nicht, wenn alle an einem Strang ziehen – es sollte auch dasselbe Ende sein.