Impressionen von der Internationalen Konferenz "Towards Cities for Women"

Impressionen von der Internationalen Konferenz "Towards Cities for Women" in Diyarbakir 5./8. Februar 2010 von Julia Witt

Zusammen mit weiteren 250 Frauen aus verschiedensten Ländern einen Eindruck zu erhalten, wie mutig, entschlossen und kämpferisch die kurdischen Frauen ihre Situation analysieren und verändern, war für mich ein unvergessliches Erlebnis und ich bedanke mich herzlich bei Julia Wiedemann für die Möglichkeit diese Gelegenheit wahrzunehmen und bei Feleknas Uka, die mich nicht nur professionell und engagiert, sondern überaus herzlich und als wahre Freundin unterstützt hat.

Der große Erfolg der Tagung lässt sich auf drei Ebenen einordnen:
Im Mittelpunkt der 3-tägigen Internationalen Konferenz stand die
Verständigung der kurdischen Frauen untereinander: wie ist die Lebenssituation der Frauen überhaupt, welche schwierigen Problemlagen entstehen aus Armut und Perspektivlosigkeit, was kann in den Städten geleistet werden, um die ländliche Bevölkerung zu integrieren, wie kann die politische Mobilisierung geschehen und wie können Frauen in verantwortlichen Positionen heraus eine praktische und gerechte Politik umsetzen.
Als weiterer Aspekt kam die gegenseitige Akzeptanz der türkischen und kurdischen Frauen dazu und die Frage, wie gerade Frauen in ihrer spezifischen Rolle als Mütter, politisch Aktive, als Wissenschaftlerinnen und Publizistinnen dazu beitragen können, Hass und Gewalt gegenüber der kurdischen Minderheit zu begrenzen und zu bekämpfen.

Es ging 3. und nicht zuletzt um die Aufmerksamkeit für die Erfahrungen aus anderen Städten, aus westdeutschen Großstädten ebenso wie aus Mexiko, Argentinien und Canada: welche Projekte und welche Infrastrukturen diese Regionen sind geeignet, wo ist Übernahme denkbar, wo Abgrenzung sinnvoll und wo ist es nötig, eigene frauenpolitische Positionen zu erarbeiten, die die eigene kulturelle Identität aufnehmen und bewahren.

Die konkrete Zielstellung “Frauen in Städten“ fokussierte den Blick auf die urbanen Strukturen, als Fluchtpunkt vieler Migrantinnen, als Hoffnungsort für viele Frauen aus Dörfern und natürlich auch als Traum vom Leben in sauberer und sicherer Umgebung. Im Umfeld dieser zentralen Themen ging es um Fragen der Infrastruktur, der bezahlbaren Dienstleistungen, der für Frauen zugänglichen öffentlichen Räume und um mediale Präsenz und Öffentlichkeit.

Die anwesenden Frauen waren außergewöhnlich engagiert, aufmerksam und diszipliniert über die ganze Tagung hinweg. Die Atmosphäre zeugte davon, dass der gerechte Kampf der Frauen um Gleichberechtigung, Gleichstellung, gleichen Lohn und um Akzeptanz ihrer politischen Ziele von ALLEN Frauen, jung wie alt, Türkinnen ebenso wie Kurdinnen, extrem wertgeschätzt wird, dass es hohen Gesprächsbedarf gibt und vor allem eine ernsthafte Kultur des Zuhörens und der respektvollen Aufnahme.

Zu den interessanten Frauen gehörten unter den
42 Rednerinnen für mich:
- aus Kanada von der Toronto City Women Alliance Prabha Khosla
- Kajal Rahmani von der Harvard University
- Sinikka Mikola Association of Development Consultants Finland
- Ellen Woodsworth aus Vancouver
- Muty Özteniz aus Istanbul
- die verschiedenen kurdischen Bürgermeisterinnen wie Caglar Demirel
- Nükhet Sirman von der Uni in Istanbul
- Clara Lindblom aus Schweden

Insbesondere die kämpferische Sicht auf Unterdrückung und die eigene Rolle im Prozess der Verbesserung der Lebenssituation von Frauen ist bemerkenswert. Es war großartig und ermutigend, diese Dynamik hautnah zu erleben.

Darüber hinaus war aber auch seitens der Bürgermeisterinnen der kurdischen Städte in der Region ein aufrichtiges Interesse, große Ernsthaftigkeit und eine solidarische Herzlichkeit ohnegleichen zu spüren. Diese offene Stimmung war es, die neben den Berichten über die Unterdrückung der Frauen sensibilisierte für die Lage des kurdischen Volkes – ein wichtiger Impuls auch für mich, die Thematik weiter zu verfolgen in der eigenen politischen Arbeit.